Die Zeit zwischen den Jahren
war eigentlich immer eine Zeit des Durchatmens und des Reflektierens, über das was war und das was sein wird. Ein Schwellenzustand, den ich gerne mochte. Dieses Jahr finde ich den Schwellenzustand gar nicht erst - zu sehr bin ich mit anderen Dingen beschäftigt. Nach der großen Weihnachtstour durch die Republik bin ich gerade erst wieder daheim, angekommen noch nicht ganz.
Viel Zeit bleibt nicht für mich im Moment, für mich ganz allein. Doch ein bißchen reflektieren, das geht doch so nebenbei. Prognostiziert war 2008 als ein erfolgreiches Jahr der Veränderungen. Und ja, genauso ist es. Erfolgreich - ich mag es kaum sagen, in jeder Hinsicht. Dinge, die ich mir nicht hätte träumen lassen, haben sich erfüllt und ich habe den Lohn für meine Mühen in den letzten Jahren kassieren können und einen neuen Lebensabschnitt angefangen. Aber auch 2009 wird es nicht ruhiger. Zuerst steht Anfang des Jahres eine Wohnungssuche an. Und dann, jaa, dann - aber das ist noch ein kleines Geheimnis
Ich wünsche Euch allen ein schönes Silvester und einen guten Rutsch in ein wunderbares 2009!
Logistische Weihnachtsplanungen.
Wenn man nur einen kurzen Blick in meine Wohnung erhaschen würde, könnte man annehmen, wir würden auswandern. Oder zumindest seeehr lange in Urlaub fahren. So viele Tage fahren wir gar nicht weg, aber Taschen stehen hier rum, dass wir ohne weiteres den ganzen Umzug damit stemmen könnten. Und dabei fahren wir nur ein paar Tage über Weihnachten zu unseren Familien…
Gestern widmete ich mich dem Geschenkeeinpacken, eine Tätigkeit, die ich immer gern und mit viel Muße erledige. Ich erfreue mich an schönem Geschenkpapier, hübschen Schleifen, kleinen Anhängern und freue mich schon, anderen nicht nur ein inhaltlich tolles Päckchen, sondern auch ein hübsch verpacktes noch dazu zu schenken. Vielleicht ist das ja der wahre Grund, warum wir diesmal sechs Taschen mit Geschenken mitnehmen. Ich komme mir bald vor wie der Weihnachtsmann persönlich…
Meine hübsch gestalteten Geschenkanhänger sind leider in den Untiefen der Weihnachtspost bei einem Frachtdienst mit drei Buchstaben verloren gegangen. Die Onlinedruckerei gibt sich zwar alle Mühe und möchte mich für den Verlust entschädigen, doch, was zum Teufel soll ich mit 250 Weihnachtsgeschenkanhängern im Januar? Gut, auch jetzt wären es viel zu viel, doch ich wollte einen Teil abgeben und den Rest behalten fürs nächste Jahr. Jetzt jedoch - fühlt es sich einfach nur unnütz an. Naja. Verlorene Geschenkanhänger kann ich verschmerzen, bin ich heilfroh, dass alle Geschenke angekommen sind, und das sogar aus den USA.
Eine Nacht noch hier im Weihnachtsgeschenkelager und dann gehts ab in meine Heimat, ein paar wenige Tage bei meinen Eltern warten auf uns. Und anschließend besuchen wir seine Familie - und das alles mit einem Smart. Das wird nicht nur so ein Abenteuer, sondern mit unseren 6 Geschenketaschen plus Reisetaschen etc. ein wahres Logistikabenteuer.
#15 Franz Kabelka - Letzte Herberge
Ich lese gerne Krimis. Ich lasse mich gerne mitnehmen auf der Suche nach der Auflösung eines Falles, wie spektakulär oder unspektakulär er auch sei. Ob in Venedig, Sizilien, Köln oder Südengland - mit gut geschriebenen Krimis fesselt man mich immer wieder. Und wenn es dann noch eine Reihe ist, umso besser. Ich brauche keine Knallerauflösung, keine pathetischen Gesten, keine geschliffenen Superermittler. Ich möchte Authentisches, Dinge, von denen ich mir vorstellen kann, dass sie tatsächlich passieren.
Aus diesem Grund gefällt mir Franz Kabelkas Letzte Herberge.
Der zweite Band um die Reihe von Chefinspektor Tone Hagen spielt in Österreich und ist mit reichhaltigem Lokalkolorit mit Landschaftsbeschreibungen und Mundart unglaublich unaufgeregt. Kinder entdecken bei einer Wanderung auf einer Bergspitze eine Leiche, deren Kopf mit Klebeband verbunden ist. Schnell wird klar, um wen es sich dabei handelt: Paul Pröll, ehemaliger berühmter Slalomfahrer und später alkoholabhängiger Bewohner der “Herberge”, des örtlichen Obdachlosenheims. Hingegen ist nicht klar, ob es sich um Mord oder Selbstmord handelt. Welche Rolle spielt Kurt Hofer, Prölls bester Freund, der ihn eigentlich nie aus den Augen ließ? Und wie erklärt sich das zeitgleiche Verschwinden von Clemens Schöch, einem der Jugendlichen, die im Rahmen eines Schulprojekts die Obdachlosen im Alltagsleben unterstützten?
Tone Hagen wird unterstützt von seinem Kollegen Gfader auf der Suche nach der richtigen Lösung. Und obwohl die Lösung am Ende doch einen gewissen Überraschungseffekt hat, ist es nicht sie, die das Buch lesenswert macht. Nein, es sind die glaubwürdigen Charakterzeichnungen, ein Chefinspektor, der beruflich alles richtig macht und privat schwankt und seine Mitte wiederfinden muss. Verschiedene Erzählperspektiven, verschiedene Stimmen, verschiedene Dialekte. Und alles unaufgeregt. Perfekt für einen ruhigen Nachmittag auf der Couch.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass die letzten Wochen nur aus Papierkram, Meetings und Weihnachtsfeiern bestanden. Wobei die Weihnachtsfeiern natürlich noch das Angenehmste waren.
Ab heute hab ich aber Urlaub. Und zwar zum ersten Mal seit Jahren bis Neujahr, ganz ohne Unterbrechung. Ohne Abendarbeit und ohne lästige Besuche, sondern mit Besuchen, auf die ich mich sehr freue und die ich gerne tätige. Diese Besuche erzwingen aber genau wie Meetings gute Vorbereitung. Und aus diesem Grund gehe ich jetzt erst einmal auf Recherchejagd. Am Besten in die Innenstadt. Und wenn alles klappt wie ich es will, werde ich sehr gut vorbereitet mit etlichen Päckchen unter dem Arm heute abend wieder hier einschneien. Juchu, Urlaub!
Fünf Jahre
Nach fünf Jahren habe ich gestern einmal meinen Spind ausgeräumt. Es ist wirklich wahnsinnig, was sich dort alles angesammelt hat - obwohl man ihn ja eigentlich nur für eine Hose und ein paar Schuhe braucht. Ja, ein paar Schuhe. Ausgeräumt hab ich drei. Und drei Hosen. Zig Deos, Labellos, Shirts, Bonbons, was auch immer. Drei Taschen hab ich nach Hause geschleppt.
Aber ich hätte nicht vermutet, dass es mir so zu Herzen gehen würde, die Gänge, die ich häufiger gegangen bin als meinen Schulweg, auf denen ich Tausende von Kilometern zurückgelegt habe, ein letztes Mal zu gehen. Ein seltsames Gefühl. Und auch wenn ich innerlich froh bin, zumindest teilweise, nun eine anderen Wirkungskreis gefunden zu haben, so ist die Arbeit dort doch ein Teil von mir gewesen und nicht wegzudenken. Sie fehlt mir - und das schon nach einem Monat. Gestern die Stammgäste und die lieben Kollegen zu sehen, die wahrhaft traurig waren, machte auch mich traurig. Verstohlen wischte ich mir ein Tränchen aus dem Augenwinkel - und ab sofort muss ich lernen, wie es ist, wenn man einmal ein komplett freies Wochenende ist. Und, was auch seltsam ist: Ich muss in der Zeitung nachgucken, wie der KEC gespielt hat.
Die Mexikohexe schlägt zurück
So heißt, ihr werdet es schon erraten haben, die neue Kolumne über die wahnwitzige zweite Begegnung mit der Mexikohexe. Wie immer an anderer Stelle, nämlich hier!
Mechiko…
Gestern abend haben wir endlich mal wieder einen Abend bei unserem Lieblingsmexikaner verbracht. Den ganzen Tisch voll leckerer Kleinigkeiten, eine Riesenportion Gambas, leckere Brotstückchen, Dips - kurzum, wir haben nicht gespeist, wir haben getafelt. Und es war toll!
Immer wieder amüsant ist auch die Kellnerin, die nicht nur den Namen eines Blasinstrumentes trägt, was an sich schon genug zum Lachen wäre, nein, einmal widmete ich ihr bereits eine Kolumne. Das gestern abend war beinahe genauso gut - aber das erzähl ich natürlich jetzt noch nicht.
Ein schöner Abend mit lieben Freunden - sowas sollte man sich doch viel häufiger gönnen. Gerade im Moment tut das wirklich gut. Nur das Aufstehen fiel mir dann natürlich schwer…nicht nur gestern, auch heute morgen…
Warum es hier so ruhig geworden ist in den letzten zwei Wochen? Darauf gibt es eine einfache Antwort: zu viel Arbeit.
Und wie erwartet bedeutete der neue Job für mich nicht nur einen neuen Platz, wo ich meine Wochentage verbringe (Cafés sind auf Dauer ja sowieso viel zu teuer), sondern tatsächlich einen neuen Lebensabschnitt. Denn seitdem sind wir auch zu zweit hier in der Wohnung und müssen lernen, unsere neuen Leben einzurichten. Zusätzlich stehen jede Menge Termine an, Geburtstage, Abgaben, Feiern, etc., so dass kaum Zeit zum Atmen bleibt. Ich falle spätabends total erschöpft ins Bett um genauso erschlagen am nächsten Morgen aufzuwachen. Und dabei hat die stressige Weihnachtszeit noch gar nicht begonnen…
Perfektes Dinner bei Herrn Schwakowiak
Irgendwer hat mal gesagt, ich wüsste ne Menge über das Gastgeben. Aber wenn ich mir hier Herrn Schwakowiak anschaue, dann muss ich wohl noch einiges lernen!
Nur Mädchen
In der Bahn stehen mir zwei junge Mädchen gegenüber. Sehr junge Mädchen. Beide gekleidet in schwarz und überladen mit trompetengoldenen Accessoires: Schuhe, Tasche, dicker Gürtel, Ketten, Haarreifen – alles was man sich so vorstellen kann.
„Nää“, antwortet die Blonde auf die Frage ihrer brünetten Freundin ob es ihr etwas ausmache, dass ihr Freund sich mit der Birgit treffe. „Die sind doch schon fünf Jahre nicht mehr zusammen. Die waren doch zusammen als der elf war!“
Rechnerisch ergibt sich also, dass die Mädchen, die aufgemacht sind wie Mittzwanzigerinnen sechzehn sind. Aber es wird noch schöner. „Der war ja sooo süss der Kai. Der hat sich sogar rasiert, als ich ins Krankenhaus gebracht worden bin!“ Vor meinem Auge läuft ein Film ab, wie ein verletztes Mädchen darauf wartet zur Notaufnahme gebracht zu werden aber auf ihren Freund warten muss. Denn der muss sich erst mal rasieren.
War ja klar, dass es so nicht gewesen ist. Schließlich darf Kai ja nicht mal Auto fahren. Und deshalb ist er auch mit dem Fahrrad gekommen. „Kannst du dir vorstellen, der hatte richtige Flecken von der Kette hinten an seiner weißen Jogginghose. Voll peinlich!“ Genau, voll peinlich. Nicht nur die Flecken, auch die Jogginghose.
Was dann aber im Krankenhaus los war, erzählt sie nicht nur ihrer Freundin, sondern allen im Bahnabteil. Wie weh die Wehen getan haben: „Deshalb heißen die ja auch Wehen, jetzt weiß ich das!“ Wie weit sie offen war: 9 Zentimeter. „Das kannst du dir gar nicht vorstellen. Ich dachte, da kriegt man einen Medizinball raus, aber das Baby flutschte einfach nicht.“ Das sie nach der Geburt einfach mal mit der Kanüle im Arm spazieren gegangen ist „und dann musste ich mich mit den Bullen anlegen, weil die dachten, ich wäre so ne Göre auf Heroin!“
Wirklich. Sehr interessant. Aber belustigend schon!



