6. August 2007 – heute: Handwerkerbeglückung
In aller Herrgottsfrühe klingelt es an der Wohnungstür. Während ich mich noch wundere, wer um diese Uhrzeit klingelt, springe ich in meine Anziehsachen und öffne anschließend die Tür. Vor dieser stehen zwei Männer Ende Dreißig, die aufgrund ihrer lehmverschmierten Kleidung schnell als Handwerker identifizierbar sind. Gut, Spachtel und Lehmeimer in ihren Händen hätten ihr Übriges dazu getan.
Doch was wollen die bei mir? Das ist schnell erklärt, bei der jungen Sportstudentin nebenan soll etwas an der Außenfassade verspachtelt werden. Jedoch kommen sie von ihrem Balkon aus nicht an alle zu bearbeitenden Stellen heran, deshalb muss auch mein Balkon als Ausgangspunkt herhalten. Keine zehn Sekunden später stapfen die Handwerker durch meine Wohnung und hinterlassen eine Dreckspur samt Staubwolke wie PigPen von den Peanuts. Schnell ist irgendwas Putzartiges auf die entsprechenden Löcher in der Fassade gespachtelt, da eilen sie schon wieder mit ihren Lehmschuhen über meinen Teppich. Doch halt nein, sie haben noch was vergessen. Also noch mal zurück und immer schön über den Teppich. Wer nun denkt, damit wäre die Sache erledigt, hat die Rechnung ohne die Handwerker gemacht. Denn Handwerker kommen prinzipiell mindestens zweimal. So informieren sie mich beim Herausgehen, dass sie am nächsten Tag sowohl um sieben Uhr morgens, als auch um vier Uhr nachmittags noch einmal vorbei kommen werden. Super, und das alles für meine Nachbarin.
Nachdem ich den Nachmittag damit verbringe, sowohl Teppich als auch Wohnung von Lehmspuren zu befreien, erwarte ich nicht sehr erfreut auf den nächsten Morgen.
Um fünf vor sieben klingelt es an der Tür. Natürlich fangen die bei mir an, warum sollten die auch bei meiner Nachbarin anfangen? Dasselbe Prozedere wie am Vortag. Reingestapft, über den Teppich, Dreck verschleudert, rausgestapft, was vergessen, wieder auf den Balkon. Mittlerweile ist es zwanzig nach sieben. Ich höre, wie sie sich draußen unterhalten. „Naa, wir müssen jetzt noch was Zeit totschlagen.“ Wieso denn das, wundere ich mich. Aber er klärt mich dann auch direkt auf. „Das süße Blondchen hat doch gesagt, sie schläft immer bis halb acht. Vielleicht sehen wir sie dann noch im Nachthemd…“ Tatsächlich verquatschen sie noch ein paar Minuten auf meinem Balkon, bis sie meine Wohnung verlassen und nebenan klingeln. Natürlich mit dem Versprechen, mich nachmittags um vier noch einmal zu beehren. Ich freue mich. Ehrlich.
Viertel vor vier klingelt es erneut. Wieder Stapfen, wieder Lehm, wieder Fußabdrücke auf dem Teppich. So langsam steht es mir bis zum Hals. Natürlich fangen sie wieder bei mir an. Denn bei meiner Nachbarin an der Haustür hängt ein Zettel: „Ich schlafe. Falls ich beim ersten Mal klingeln nicht öffne, klingeln sie einfach öfter, ich bin zu Hause.“ Doch da hat sie die Rechnung ohne die Handwerker gemacht. Denn als diese bei mir auf dem Balkon einen imaginären Fleck Restputz wegschmirgeln, kommt ihnen eine großartige Idee. Warum soll man die Süße denn aus ihrem Schlaf reißen? Schließlich kann man auch von meinem Balkon über die Brüstung auf den anderen Balkon klettern. Und das tun sie dann auch. Sie stehen bei ihr auf dem Balkon, geben vor, etwas vom Putz weg zu schmirgeln und starren stattdessen durchs Fenster. Punkt vier hört man durch die offenen Fenster einen Wecker. Ein Brüll folgt, sie hat wohl die Handwerker entdeckt…



