4. Juni 2007 - heute: Von der Entdeckung der Langsamkeit in Kassenschlangen

„Nur noch schnell ein paar Tomaten kaufen“ hatte ich mir vorgenommen, als ich flinken Schrittes in den ortsansässigen Penny-Markt eile. Schnell sind auch die Tomaten ausgewählt,eingetütet und ich gehe zur Kasse. Vor mir warten schon drei ältere Damen, ich schalte also einen Gang langsamer und warte auf meinen Einsatz . Doch dann geht es los. „Haben Sie keine Sauce Hollandaise mehr?“, fragt die gerade abzukassierende Kundin die Kassiererin. Diese antwortet: „Doohooch. Da bei den Nudelsaucen.“ „Nää, da hab ich schon geguckt, da ist nichts mehr.“
„Warten Sie“, die Kassiererin steht auf, „ich guck mal nach“. Hinter mir haben sich mittlerweile noch 4 Kunden in die Warteschlange eingereiht. Nach circa 4 Minuten kommt sie zurück. „Nee, ist tatsächlich nicht mehr da.“ Sie überlegt kurz. „Wissen Sie was, ich guck mal im Lager.“ Sagts und verschwindet erneut. Ich warte und schaue aus dem Fenster. Hinter mir höre ich schon gereiztes Schnauben samt „das kann doch nicht wahr sein!“
Die Kassiererin kehrt zurück, ohne Sauce Hollandaise in den Händen. „Es tut mir leid“, sagt sie, „im Lager haben wir auch keine mehr.“
“Och ist ja nicht so schlimm“, antwortet die Kundin, der der um sie gemachte Aufwand bereits unangenehm ist, „ich brauch die eh erst nächste Woche.“
Die Kassiererin kassiert sie nun ab und wendet sich langsam der nächsten Kundin zu, nachdem sie erst mühsam alte Kassenzettel aussortiert und weggeschmissen hat.
„Hallo Frau Sternfeld“, begrüßt sie dann die nächste Kundin. Langsam sucht sie den Barcode auf deren Toastbrot und schiebt ihn langsam über den Scanner. Mittlerweile warte ich bereits 8 Minuten. „Wie geht es denn ihrem Mann? Immer noch so schlimm Rücken?“ Die Angesprochene antwortet ausführlich, erzählt von der Diagnose des Arztes und wie schwer es ihrem Mann falle, wieder Fahrradfahren zu können. Die Kassenschlange zieht sich bereits bis in das Süßigkeitenregal hinein. Erneut ist ein lautes Schnauben vernehmbar. Dass hier nicht mit den Füßen gescharrt wird, wundert mich.
Als alle Waren der Kundin gescannt sind, wartet die Kassiererin so lange, bis die Kundin ihre Antwort, die durchaus noch ein paar Sätze beinhaltet, beendet, um ihr den zu zahlenden Betrag zu nennen. Die Kundin wühlt in ihrem Portemonnaie herum, doch vergeblich. Sie schließt das Portemonnaie mit den Worten: „Ich hab nicht genug Geld dabei. Ich komm nachher noch mal wieder.“
Während die Kassiererin freundlich ein „Ist doch kein Problem, ich leg es hier auf die Seite“ äußert, wird das Schnauben hinter mir richtig laut. Die Frau krallt sich ihre gesamten Einkäufe vom Band, geht neben mir entlang zur Kassiererin, legt sie auf die Scannerfläche und sagt wutschnaubend: „Das können Sie jetzt behalten. Das ist ja wohl ein Witz hier!“ Hochroten Kopfes verlässt sie geschwind den Laden.
Kopfschüttelnd legt die Kassiererin die Ware an die Seite und schaut mich entschuldigend an. „Die spinnt doch. Die ist von der Konkurrenz, von real. Da sind die auch nicht schneller!“ Sie beginnt meine Waren abzukassieren als eine Stimme hinter mir verlauten lässt: „Wir haben doch Zeit! Und mit Stress ist doch keinem geholfen!“
Mit einem Grinsen verlasse ich nach 12 Minuten den Laden.

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