27. August 2007 – heute: Freundlichkeit hat einen Namen
Neulich besuchte ich mit einer Freundin eine Filiale einer bekannten rot-goldenen Fastfoodkette. Es war nicht voll; wir waren die Einzigen, die sich an der Theke anstellten. Mit einem genervten Gesichtsausdruck näherte sich eine Mitarbeiterin, auf deren Namensschild „Freundlichkeit hat einen Namen“ stand.
Und darunter: Anja Müller. Freundlich klang ihr aufmüpfiges „Ja, bitte?“ allerdings eher nicht.
Meine Freundin begann mit ihrer doch recht umfangreichen Bestellung. „Ich bekomme einmal das Big Irgendwas Maxi Menü mit großen Pommes.“ Abschätzig schaute die Bedienung sie an. „Getränk?“, presste sie aus dünnen Lippen hervor.
„Cola, bitte.“ – „Alles?“ – „Nein, ich bekomme noch zwei Cheeseburger, einen Vanillemilchshake und eine Apfeltasche.“
Wortlos drehte sich die Bedienung um und ging zu ihrem Kollegen an die Friteuse. Auf Grund der ungewohnten Ruhe im Lokal mussten wir mit anhören, wie Frau Müller mit ihrem Kollegen über meine Freundin sprach. „Was brauchst du?“, fragte sie der Kollege, der die Pommes frites eintütete. „Eine große Pommes für die fette Kuh da vorne.“
„Na“, sagte der orientalisch aussehende Kollege, „das sagt man nicht.“ – „Na, wenn es doch stimmt? Schau die dir doch an. Kein Wunder, dass die so fett ist, wenn die das alles frisst.“
Ich versuchte meine Freundin in ein Gespräch zu verwickeln, damit sie nicht zuhören musste, wie sich Frau Müller über sie regelrecht hermachte. Doch es gelang mir nicht. Wie paralysiert starrte meine Freundin die rotgekleidete Bedienung an, als könnte sie es nicht fassen, was vor ihren Augen geschah. Denn diese hatte mittlerweile sowohl Standort als auch Kollegen gewechselt, nachdem sie unwirsch die Pommes frites auf das Tablett hatte fallen lassen. Nun stand sie an der Getränkeanlage und ließ Cola in einen Becher laufen. Sie wendete sich zu einem anderen Kollegen, der anderweitig beschäftigt war, stupste ihn an, zeigte auf meine Freundin und sagte: „Bah! Wie kann man denn nur so fett sein und einfach immer weiter fressen? Abartig!“
Ihr Verhalten verschlug nun auch mir den Atem. Das Ganze wickelte sich innerhalb kürzester Zeit ab und wie es so oft geschieht, fiel uns keine passende Entgegnung ein. Die Bedienung komplettierte die Bestellung und mit einem süffisanten Grinsen wünschte sie einen „Guten Appetit!“
Dann wand sie sich mir zu. „Und für Sie?“ Ich versuchte, sie mit einem kalten Blick zu fixieren und antwortete: „Ich brauche nichts mehr. Die Bestellung war für uns zwei!“ Sie funkelte mit ihren Augen zurück. „Ph“, sagte sie, „dann…“ und drehte sich um, um erneut mit ihrem Kollegen zu reden.
Freundlichkeit hat einen Namen – ihren nicht!



