23. Juli 2007 – heute: Der Gaffer, dein Freund und Helfer

Tatort Südstadt, Samstag, kurz nach siebzehn Uhr:
Ein Glasklirren treibt mich zum Nachsehen auf den Balkon. Bei einem Auto auf dem Parkplatz ist die Scheibe eingeschlagen worden. Der Nachbar steht bereits auf dem Balkon und alarmiert die Polizei, welche auch wenige Minuten später eintrifft. Die Situation ist eindeutig, Autoscheibe eingeschlagen, wahrscheinlich etwas geklaut, Täter nicht aufzufinden. Das Protokoll wird aufgenommen und ein Abschleppunternehmen kontaktiert, schließlich kann das offene Fahrzeug nicht auf dem Parkplatz unbeaufsichtigt stehen bleiben.

Kurze Zeit später ist auch der Abschleppwagen da. Nun steht aber das betroffene Fahrzeug an einer äußerst ungünstigen Lage für einen Abschleppvorgang, sodass das Auto im Herausziehen aus der Parklücke eine 90°-Wendung vollziehen müsste. Es wird hin und hergezogen, hier geschoben, dort arretiert, aufgebockt oder zurückfallen gelassen. Millimeterarbeit ist gefragt und schon bald ist klar: Alles wäre einfacher, stände das benachbarte Auto nicht derart nah. Mehrere Schaulustige haben sich eingefunden und kommentieren die Arbeit des Abschleppenden mit sehr hilfreichen Kommentaren wie: „Normalerweise tauchen doch immer dann die Inhaber auf, wenn man das Ding aufgebockt hat, oder?“ Mit stoischer Ruhe dreht er weiter an Rädchen und Zwingen, verschiebt hier ein Seil, klemmt dort ein Blockadeholz unter das hintere Rad und ignoriert die Schaulustigen. Doch es hilft alles nichts. Das Fahrzeug nähert sich beim Herausziehen aus der Parklücke bedrohlich seinem Nebenfahrzeug. Ratlos nähert sich der Abschleppende den Polizisten, um sich zu beraten.

Da schreit einer der Schaulustigen dazwischen: „Wie wäre es denn, wenn wir alle zusammen das andere Auto einfach weg heben?“ Die Polizisten schauen sich kurz an, dann ist es beschlossene Sache. Zusammen mit drei Schaulustigen sammeln sich die Polizisten und der Abschleppende um das Nachbarauto, lassen es auf und nieder wippen und bewegen das Heck so Stück für Stück zur Seite bis das Auto nicht mehr gerade, sondern ebenfalls im 90°-Winkel in der Parklücke steht, ungefähr fünf Zentimeter von einem Laternenpfahl entfernt. Nun ist das Herausziehen des eingeschlagenen Autos kein Problem mehr, wieder Schräubchen, Zwingen, Seile und innerhalb kürzester Zeit steht das Auto auf dem Abschleppwagen, der alsbald die Straße verlässt. Auch die Polizisten verlassen den Tatort, ohne am Auto, welches weg gehoben wurde, eine Nachricht zu hinterlassen.

Einige Stunden später kehrt die Besitzerin des Autos zurück und findet es „verrückt“ vor. Sie läuft um das Auto herum und schaut sich alles genau an. Sie blickt auf den Laternenpfahl und schüttelt den Kopf, nein, so hatte sie nicht eingeparkt.
Ich habe Mitleid mit ihr, die ständig um sich schaut und nicht versteht, was sie sieht. Ich rufe vom Balkon und erzähle ihr, was passiert ist. Das ihr Auto „verrückt“ wurde.
Sie atmet auf, wird ruhiger. Sie hätte sich schon Gedanken gemacht, sagt sie.
Hätte es nicht die Höflichkeit und Menschlichkeit geboten, ihr zumindest einen Zettel zu hinterlassen? Die Polizei, dein Freund und Helfer, heißt es. Doch hier waren nicht die Polizisten die Helfenden, sondern die Schaulustigen, die tatsächlich einmal nicht nur im Weg waren, sondern tatkräftige Unterstützung geliefert haben.

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