18. Juni 2007 - heute: “Wo soll et denn hingonn?”
Müde drücke ich die Tür hinter mir zu. Es ist kurz vor zwei Uhr Sonntagnacht als ich zusammen mit einem Arbeitskollegen und Nachbarn die Stätte unserer Tätigkeit verlasse. Selbst in einer Großstadt wie der unseren fährt sonntags um diese Uhrzeit keine Straßenbahn. Schnell einigen wir uns darauf, mit dem Taxi nach Hause zu fahren, denn nach Hause laufen ist zwar nicht zu weit, aber es würde schon eine halbe Stunde mindestens beanspruchen, Zeit, die wir lieber früher ins Bett fallen würden, erledigt wie wir sind.
Der Taxistand, tagsüber voll besetzt, liegt leer da, mitten in der Nacht. Wir wandern entlang einer größeren Straße in der Hoffnung ein Taxi anhalten zu können.
Ein paar Minuten später fährt tatsächlich ein Taxi auf uns zu, es gelingt uns, durch wildes Herumwedeln mit den Armen, den Taxifahrer auf uns aufmerksam zu machen. Schnell steigen wir ein. Kölsch werden wir begrüßt: „Wo soll et denn hingonn?“ Ich nenne die Straße, zackig fährt er um die Kurve, schon bald ist er auf der Brücke über den Rhein. Ich wechsele mit meinem Kollegen ein paar Worte über den Arbeitstag. Sympathisch mischt sich der Taxifahrer ein: „ Neun Stunden? Dat is doch janix. Ich arbig hück elf!“ Wir drücken ihm unser Bedauern aus, als wir in unsere Straße einbiegen. Das Taxameter steht auf 8,40 €. „Teilt ihr üsch dat?“, fragt er, „oder zesamme?“ Wir zahlen getrennt und verlassen mit einem Gruß das Taxi. Auf dem Weg zu meinem Haus fährt er an mir vorbei, das Fenster gleitet herunter und ein „Jot Naach!“ schallt durch die Nacht.
Vier Tage später. Es ist erneut kurz vor zwei, diesmal donnerstags. Gerade die Bahn verpasst, müssten mein Arbeitskollege und ich eine Stunde auf die Bahn warten. Schnell sind wir uns einig: TAXI! Und das Spiel beginnt sich zu wiederholen: Kein Taxi am Taxistand, wir laufen die Straße entlang, ein Taxi taucht in der Ferne auf, wir halten es an, steigen ein, und es schallt uns ein freundliches „Nää, wat is dat dann!“ entgegen. „Die kenn ich doch“, sagt der Taxifahrer von Sonntagnacht. Und wieder: „Wo soll et denn hingonn?“ Doch bevor wir antworten können, vervollständigt er: „Ach, ich weeß. Ich war ens am Sonndag ald do.“ Sagts und braust los. Mein Kollege ist noch völlig verblüfft und sagt: „Dass man in so einer Großstadt wie Köln zwei Mal hintereinander den gleichen Taxifahrer erwischt, das ist doch echt unglaublich!“
„Gläuvens, ich bin ens eeschte Mol do, hück, op de schäl Sick!“ Mein hannoveraner Kollege hat zusehends Probleme sprachlich zu folgen. „Un üvverhaup, es nix unmöglich in Kölle!“ Das scheint mir allerdings auch so. Bald biegen wir in unsere Straße ein. Er hält an und wieder heißt es: „7,80 €. Teilt ihr üsch dat? Oder zesamme?“ Wir drücken ihm das Geld in die Hand. Als wir das Taxi verlassen, ruft er uns ein „bis sonndag!“ hinterher. Lächelnd mach ich mich auf den Weg zu meinem Haus. Er hat Recht, manche Dinge kann man nicht erklären. Solche Dinge machen Köln zu dem, was es ist. Als ich die Haustür aufschließe, höre ich hinter mir ein Auto vorbeifahren und es schallt ein „Jot Naach!“ durch meine Straße.



