17. September 2007 – heute: Die Kassenschlange des Grauens
Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, welches besagt: Je kleiner der Einkauf, umso länger die Zeit, die man in der Kassenschlange verweilt. Dieses Gesetz trotz besseren Wissens missachtend, mache ich mich an einem frühen Abend auf den Weg zum nächstgelegenen Supermarkt. Mit Salat und Tomaten bewaffnet bahnte ich mich zur Kassenschlange durch, die bereits eine ansehnliche Länge erreicht hatte.Direkt vor mir standen Vater und Tochter, eine niedlich angezogene, maximal Sechsjährige, die ihren Vater, sagen wir es relativ neutral, ganz schön nervt.
„Papa, ich will ein Überraschungsei!“ Oh, denke ich mir, klassische Kassenszene. „Jule“, antwortet er, „wir waren heute schon im Zoo, sind mit dem Schiff gefahren und dem Karussell. Und du hast schon einen Pudding gehabt.“ Interessant, doch ob Jule das auch so sieht? „Paaaapaaa“, plärrt es ungefähr 10 cm vor meinem Ohr.
Was Papa antwortet, höre ich leider nicht, denn ich bin damit beschäftigt, mich umzudrehen und mir das alte Mütterchen anzugucken, das mir mit Schwung mit ihrem Einkaufswagen in die Hacken gefahren ist.
Die Frau, die am Kopf der Schlange steht, und damit gerade von der Kassiererin bedient wird, verlässt die Schlange. Als der Papa sie fragt, was los ist, antwortet sie: „Ich hab Martini vergessen“ und eilt davon. Die Kassiererin schiebt die verbleibenden Waren über den Scanner und wartet dann darauf, dass die Frau zurückkommt. Genauso wie die wartende Kassenschlange. Nach drei Minuten kehrt die Frau zurück, mit Martini, Eiern und Cola schlängelt sie sich an den wartenden vorbei und legt ihre Ware aufs Band. Die Annahme, es gehe jetzt weiter, bringt die alte Frau hinter mir dazu, mir erneut in die Hacken zu fahren.
„Paaaapaaa, ich will ein Eis!“ Jule quängelt. Während der Martini über den Scanner geschoben wird, verlässt die dazugehörige Frau erneut die Kassenschlange. „Ich bin sofort wieder da“, ruft sie der Kassiererin zu. Dauert auch nicht lange, sie muss ja nur Milch und Salami und Gummibärchen besorgen, während alle anderen dumm auf sie warten. „Jule, wir waren heute schon im Zoo, sind mit dem Schiff gefahren und dem Karrussel. Und du hast schon einen Pudding gehabt. Es gibt kein Eis mehr!“
Langsam beginnt es, an meinen Nerven zu zehren. Endlich ist die Frau abkassiert und während Jule noch quängelt, bezahlt auch ihr Vater. Die Frau hinter mir nutzt die Chance, mir noch einmal in die Hacken zu fahren. Alle guten Dinge sind drei, also wer würde sich über dreimal Einkaufswagen in den Hacken schon ärgern? Während ich meinen Salat und die Tomaten bezahle, verlassen Jule und ihr Vater den Laden.
Doch als ich die Schiebetüren hindurchgehe, werde ich erneut Zeuge, dass Jule mit ihrem Vater noch nicht fertig ist, mit dem sie vor einem dieser bezahlbaren, motorisierten Kinderlokomotiven steht. „Paaapaaaa, ich will Eisenbahn fahren!“
„Jule, wir waren heute schon im Zoo, sind mit dem Schiff gefahren und dem Karrussel. Und du hast schon einen Pudding gehabt. Das muss für heute reichen!“, höre ich den Vater sagen. Ich gehe um die Straßenecke und noch als ich meine Haustür aufschließe, höre ich Jule kreischen. Das Grauen hat einen Namen: Kassenschlange.



