16. Juli 2007 – heute: Von Hitze und dem Affenhaus der Straßenbahn
Es ist heiß, brütend heiß. In den Wohnungen staut sich die Hitze, der Asphalt qualmt. Der Großstädter flüchtet sich in Parks, unter Bäume in Biergärten oder auf schattige Balkone. Im Optimalfall natürlich nur. Denn was passiert tatsächlich, wenn der Sommer in der Großstadt ausbricht? Neurotikers Alptraum – Straßenbahnen vollgestopft mit schwitzenden Menschen. Meist versuche ich diesen Situationen zu entgehen, zu Fuß oder mit dem Rad mich fortzubewegen, doch manchmal gibt es Situationen oder Orte, welche die Bahnfahrt zwingend erforderlich machen.
Samstag besuche ich eine Freundin und ahne nichts Böses, als ich mich abends wieder auf den Weg zur Straßenbahn machte. Der Bahnsteig ist voll, völlig überfüllt.
Wie Schuppen fällt es mir von den Augen – Kölner Lichter, Riesenfeuerwerk, Zigtausende Menschen warten am Rheinufer darauf. Nur an mir ist das irgendwie vorbeigegangen. Nutzt ja alles nichts, also rein in die ankommende Straßenbahn, zusammen mit gefühlten fünftausend Menschen. Der Tag war heiß gewesen, es hatte sich, obwohl schon spätabends, noch kaum abgekühlt. Leichtbekleidete Menschen drängen sich aneinander. Glitschige Hände rutschen an den Haltegriffen ab, rutschen auf andere Hände. Menschen, von denen man nicht berührt werden möchte, berühren einen nicht nur, sondern verharren Haut an Haut. Der Geruch von vollgeschwitztem Polyester liegt in der Luft. Man kann gar nicht so lange die Luft anhalten, wie man es in diesem Moment tun möchte.
Nächste Station. Ein Mann in einem Fahrradfahreroutfit, sprich Nylon-Radlerhose und –Hemd, quetscht sich zwischen mich und eine ältere Frau. Unaufhaltsam und penetrant legt sich sein Schweißgeruch über die anderen Gerüche des Abteils. Die Bahn fährt an, er hebt die Arme um sich an einer der Halteschlaufen festzuhalten. Leider sind die ältere Frau und ich etwas kleiner als er, so dass wir nun unsere Nasen auf Höhe seiner Achselhöhlen haben.
In dem Moment, in dem ich gleichzeitig denke „Das muss die Hölle auf Erden sein“ und mir wünsche, bitte jetzt sofort ohnmächtig zu werden, wird es der älteren Frau zu viel. „Boah“, sagt sie ziemlich laut, „Arme runter! Das ist ja nicht zum Aushalten!“
Zack, sind seine Hände aus den Schlaufen verschwunden und glitschen jetzt zusammen mit unseren Händen an dem Haltegriff entlang. Die ältere Frau dreht sich weg, und murmelt dabei deutlich hörbar: „Stinkt ja wie im Affenhaus!“
Recht hat sie ja, die Frage ist nur, wer jetzt unhöflicher war…



