14. Mai 2007 - heute: Von Laugenbrezeln, Regen und Tokio Hotel-Fans
Es ist Donnerstag. Sie bauen Zelte auf. Sie schleppen Kisten mit Getränken und Verpflegungskisten. Bierzeltgarnituren werden aufgebaut, Regenplanen aufgespannt, Müllbeutel ans Geländer geknotet. Es sieht aus, als wollten sie sich längerfristig dort einrichten. Überall sieht man nur noch Röhrenjeans, schwarzgefärbte Haare und Nietenarmbänder. Wer jetzt denkt, es geht hier um Rock am Ring, irrt.
Donnerstag setzt der Treck der Fans ein, der sich unaufhaltsam vermehrt. An dem Tag lachten wir noch darüber, dass man vier Tage vor dem Tokio Hotel-Konzert beginnt vor der Halle zu campieren. Freitag, und damit einen Tag und eine Nacht voller Regen später, hat sich das Lachen in Mitleid gewandelt. Nachvollziehen können wir nicht, warum sie das tun, aber wie sie da in ihre Schlafsäcke eingemummelt unter ihren Regenplanen sitzen, tun sie uns leid.
Als wir abends nach Hause gehen, haben wir dreißig Laugenbrezeln in der Tasche und den Plan, diese den Fans zuzustecken. Als wir die ersten Schlafsäcke und Isomatten erreichen, entfährt meiner Freundin ein „Ach du Scheiße!“, als sie sieht, wie die zum Teil erst ungefähr 12 Jahre alten Mädchen da campieren. Wie sie in ihrem eigenen Müll sitzen, in völlig durchnässten Schlafsäcken schlafen. Wir hatten vorher darüber gelacht, dass sie da campieren, doch wir hatten nicht damit gerechnet, was wir sehen würden.
Ihr „Ach du Scheiße!“ kommt aber bei ein paar Mädchen nicht so gut an. Sofort werden wir angepampt: „Ey, könnt ihr nicht was leiser lästern?“ und „Meint ihr, wir hören das nicht?“ Sofort ist Aggression da, dabei haben wir doch gar nichts gegen sie gesagt. „Wollt ihr Ärger?“ „Ihr haltet euch wohl für was Besseres!“
Wir gehen einfach weiter, an ihnen vorbei, wollten wir doch weder Aggression schüren noch Ärger provozieren, sondern einfach unsere Laugenbrezeln loswerden und Gutes tun.
Ein paar Meter weiter stoppen wir an einer Bierzeltgarnitur. Wir fragen die dort sitzenden Mädchen, ob sie gerne eine Laugenbrezel möchten. Freude macht sich auf den Gesichtern breit, fast werden sie uns aus den Händen gerissen. Ein Mädchen sagt, dass sie bereits seit 30 Stunden nichts mehr gegessen hat und sich sehr freut. Sobald wir die Brezeln verteilen, bildet sich eine regelrechte Traube von Fans um uns. Plötzlich steht auch die Rädelsführerin von vorher da und streckt die Hände aus. Aber, meine Freundin und ich sind uns da einig, die bekommt nichts. Leider sind die Brezeln aus, als sie an die Reihe kommt…



