Meine Straße in Trümmern

Mitten auf dem Stephansplatz in Wien erreichte mich die Nachricht, dass sich in meiner Straße ein Unglück ereignete,
als das Kölner Stadtarchiv im Boden versank. Obwohl weit außerhalb der Gefahrenzone, klingelte das Handy nonstop,
denn Freunde und Bekannte wollten sich versichern, dass mit mir alles in Ordnung sei.
In Angst und Schrecken versetzten mich die Bilder, die ich mir aufgelöst im Fernsehen ansah und noch viel mehr,
dass ich die Menschen, nach deren Wohlbefinden ich mich erkundigen wollte, nicht erreichte.
Mittlerweile weiß ich, dass die Telefonleitungenm nur kaputt waren und mit meinen “Sorgenkindern” alles in Ordnung ist.
Als ich in Köln wieder festen Boden unter den Füßen hatte, kam ich nicht umher, mir diesen furchtbaren Trümmerhaufen, der noch in der Woche zuvor von Tausenden von Jecken durchlaufen wurde, anzuschauen. Gigantisch groß ist er, der Schuttberg. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Es sieht in den Nachrichten schon schlimm aus - aber in Natura ist es einfach nur furchtbar.
Zuhause sitze ich auf gepackten Koffern, denn nächstes Wochenende steht ja schon der Umzug an. Froh bin ich, diese Straße nun zu verlassen, denn sicher fühle ich mich dort nicht mehr. Erst recht nicht, wenn man hört, dass die bis jetzt noch vermissten jungen Männer beide im 5. Stock gewohnt haben. Natürlich zieht man dann Parallelen und weiß, dass, wenn was passiert, ich aus dem Haus auch nicht mehr lebend raus komme. Die Taschen sind gepackt. Wenn ich jetzt noch ein einziges beunruhigendes Geräusch oder eine beunruhigende Nachricht höre, schnapp ich mir meine Tasche und werde mich freiwillig zwangsevakuieren lassen zu meinen Eltern.

6 March 2009 | | gefühlschaos | Comments

4 Responses to “Meine Straße in Trümmern”

  1. 1 Reitersmann 7 March 2009 @ 12:40 pm

    Ziemlicher Irrsinn, das, ziemlicher Irrsinn. Bin da dauernd dran vorbeigelatscht; die Lebensgefährtin kennt zwei, die da arbeiteten. Aber immerhin wohnen wir hier weiter weg von dem ganzen Kack, den die Polit-Reptilien und Statik-Knalltüten da angerichtet haben.

  2. 2 lady kinkling 7 March 2009 @ 8:43 pm

    Das ist ja furchtbar. Alles Gute für den Umzug.

  3. 3 Godwi 8 March 2009 @ 2:44 am

    Danke für diese sehr persönliche Schilderung. Ich teile mit Köln keine privaten Erinnerungen, fühle mich aber trotzdem betroffen. In meinem Blog habe ich geschildert, wie ich den Verlust des Archivs als kollektivem Gedächtnis wahrnehme. Auch das ist eine mögliche Sichtweise des Geschehnen:

    http://tonwertkorrekturen.wordpress.com/2009/03/07/gedachtnisverlust/#comment-27

    Godwi

  4. 4 Dorothea 15 March 2009 @ 3:20 pm

    Wenn man bedenkt, dass man das alles hätte verhindern können, wenn sich die richtigen Leute etwas mehr Gedanken darüber gemacht hätten, dann finde ich das schon sehr krass. Denn man hätte dadurch sehr viele und auch sehr wertvolle Sachen retten können. So ist jetzt alles hinüber und wir haben gar nichts mehr. Ich stelle mir das auch sehr schwierig vor, wenn man ganz in der Nähe wohnt und damit auch direkt konfrontiert wird. Ich hoffe, dass sie das alles gut überstehen.

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