#17 Katharina Hagena - Der Geschmack von Apfelkernen
Das Spiel um Erinnern und Vergessen interessierte mich schon früh und die Lektüre von Büchern, die um diesen Themenkomplex kreisen, gehört zu einer der wenigen Konstanten in meinem Leseleben. Kein Wunder also, dass Katharina Hagenas
Der Geschmack von Apfelkernen ziemlich schnell einen Platz in meinem “noch zu lesen”-Regal fand. Und in der Woche, in der ich außer im Bett zu liegen nicht viel tun konnte außer schlafen und lesen, da schmökerte ich durch dieses Buch.
Und wunderbar war es! Sätze wie “Und ich stellte fest, dass nicht nur das Vergessen eine Form des Erinnerns war, sondern auch das Erinnern eine Form des Vergessens”, eingeflochten in eine Geschichte, werden wie beiläufig fallen gelassen und sind doch so tief, dass man nicht einfach über sie hinweg lesen kann, sondern zum Nachdenken angeregt wird. Deutlich merkt man hier, dass eine Literaturwissenschaftlerin am Werk ist, die sich mit Erinnerungskultur auskennt.
Erzählt wird die Geschichte von Iris, einer jungen Frau, die zur Beerdigung ihrer Tante Bertha anreist und dort feststellt, dass Bertha ihr das Haus vermacht hat, in dem sie lange lebte und in dem auch Iris viel Zeit verbrachte. Iris bleibt ein paar Tage im Haus, eigentlich möchte sie nur die Erbangelegenheiten klären und überlegen, ob sie das Haus behalten möchte.
Doch die vertraute Umgebung, der Garten, das Dorf, zwingen sie, sich mit ihrer Vergangenheit und ihrer Erinnerung auseinander zu setzen. Und das tut sie wunderbar poetisch und schafft es, dass der Geschmack von Apfelkernen sich geradezu aufdrängt, so intensiv wie er geschildert wird. Überhaupt ist dieses Buch eines der bisher doch recht wenigen, die meinen Geruchs- und Geschmackssinn angesprochen haben. Ein besonderes Lesevergnügen!





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