Die spinnen, die Kölner

Von manch einem hab ich das schon gehört, das Köln irgendwie “speziell” sei, so “anders”, irgendwie “bekloppt”. Und an Tagen wie diesen kann ich das wohl offensichtlich nur bestätigen.

Während ich mich heute morgen auf dem Weg zur Arbeit befand, waren in ebendieser noch Überbleibsel der gestrigen Nacht - in Poldi-Shirts, deutlich angetrunken und Fc-Schals schwenkend.   Auf Plakatwänden und jedem Zeitungsstand strahlte einem ein riesiges Podolskiantlitz entgegen. Köln ohne Poldi? Das geht wohl nicht. Und tagsüber gibts kaum ein anderes Thema als die Poldiparty und Obama. Meist ist Poldi wichtiger.

Auf der Rücktour sammelte sich dann die ganze Beklopptheit. Auf dem kurzen Weg heim traf ich auf drei Männer, ja es waren ausschließlich Männer, die lautstark mit sich selbst gesprochen haben. Während Mann 1 uns erzählte, dass wir ja Operation Wallenstein nie vergessen dürften, stänkerte Mann 2 über Uli Hoeneß. Mann 3 suchte lautstark und heftig gestikulierend: “busca puta”. Ahja.

Nebenan saß ein Mädchen, das maximal 41 Kilos wiegt, sogar ihre Stiefel schlackerten an ihr. Sie telefonierte, wie auch sonst, mit einem goldenen Dolce&Gabbana-Handy.  Nee, am Wochenende könnte sie nicht, da wäre sie in Mailand. Nee, sie würde nie viel von den Städten sehen, nur die Studios. Aber nette Menschen lerne sie kennen, also nicht die, die für das Essen sorgen, aber die Stylisten wären schon nett.Meistens.

Ich muss umsteigen und kann ihren Weisheiten leider nicht weiter lauschen. Mit mir steigt ein Mann in die Bahn ein und guckt sich die Mitfahrenden an. “Hej Obama!”, sagt er laut. Ein dunkelhäutiger fühlt sich angesprochen und fragt “meinst du mich?” “Natürlich mein ich dich, oder ist hier sonst noch jemand…”  “Männlich?”, antwortet der Angesprochene. “Haha!”, lachen beide. Keine Spur von seltsamer Stimmung. Und dann unterhalten sie sich über die mutmaßliche Rede von Obama am Abend.

Auf dem Weg heim fällt mir ein, woher ich den dunkelhäutigen Mann kannte. Er ist der Chef des afrikanischen Restaurants am Ende der Straße. Von wegen Obama.

20 January 2009 | | großstadtabenteuer | Comments

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