#15 Franz Kabelka - Letzte Herberge
Ich lese gerne Krimis. Ich lasse mich gerne mitnehmen auf der Suche nach der Auflösung eines Falles, wie spektakulär oder unspektakulär er auch sei. Ob in Venedig, Sizilien, Köln oder Südengland - mit gut geschriebenen Krimis fesselt man mich immer wieder. Und wenn es dann noch eine Reihe ist, umso besser. Ich brauche keine Knallerauflösung, keine pathetischen Gesten, keine geschliffenen Superermittler. Ich möchte Authentisches, Dinge, von denen ich mir vorstellen kann, dass sie tatsächlich passieren.
Aus diesem Grund gefällt mir Franz Kabelkas Letzte Herberge.
Der zweite Band um die Reihe von Chefinspektor Tone Hagen spielt in Österreich und ist mit reichhaltigem Lokalkolorit mit Landschaftsbeschreibungen und Mundart unglaublich unaufgeregt. Kinder entdecken bei einer Wanderung auf einer Bergspitze eine Leiche, deren Kopf mit Klebeband verbunden ist. Schnell wird klar, um wen es sich dabei handelt: Paul Pröll, ehemaliger berühmter Slalomfahrer und später alkoholabhängiger Bewohner der “Herberge”, des örtlichen Obdachlosenheims. Hingegen ist nicht klar, ob es sich um Mord oder Selbstmord handelt. Welche Rolle spielt Kurt Hofer, Prölls bester Freund, der ihn eigentlich nie aus den Augen ließ? Und wie erklärt sich das zeitgleiche Verschwinden von Clemens Schöch, einem der Jugendlichen, die im Rahmen eines Schulprojekts die Obdachlosen im Alltagsleben unterstützten?
Tone Hagen wird unterstützt von seinem Kollegen Gfader auf der Suche nach der richtigen Lösung. Und obwohl die Lösung am Ende doch einen gewissen Überraschungseffekt hat, ist es nicht sie, die das Buch lesenswert macht. Nein, es sind die glaubwürdigen Charakterzeichnungen, ein Chefinspektor, der beruflich alles richtig macht und privat schwankt und seine Mitte wiederfinden muss. Verschiedene Erzählperspektiven, verschiedene Stimmen, verschiedene Dialekte. Und alles unaufgeregt. Perfekt für einen ruhigen Nachmittag auf der Couch.




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