Ein fragwürdiges Vergnügen

Wer sich fragt, womit ich meine Zeit verbringe, dem kann ich eine ganz einfache Antwort geben: mit Besuchen beim Zahnarzt. Alles fing damit an, dass ein Stück von meinem Zahn abgebrochen ist. Angeguckt, einfache Diagnose, einfache Hilfe: Da muss eine Krone drauf. Abdrücke gemacht, Provisorium drauf, kommen Sie in zwei Wochen wieder.

Eine Woche später: Provisorium bricht heraus, reisst weitere Stücke vom Zahn mit. Wieder hin, alles kleben.

Noch eine Woche später:  Krone ist aus dem Labor gekommen und blitzt schön zahnweiß vor sich hin. Das Provisorium wird abgerissen, die Krone soll geklebt werden. Klappt nicht. Muss noch etwas abgeschliffen werden. Zack! Mist. Beim Schleifen ist die zahnfarbene Oberfläche abgeplatzt und das Metall schaut durch. So geht es ja nicht. Also muss die Krone neu gemacht werden. Dafür brauchen wir aber einen neuen Abdruck.
Kein Problem, sagt der Doc, so ein Abdruck geht doch schnell. Im Prinzip ja. Unglückliche Stelle in meinem Mund trifft aber auf vielleicht nicht so ganz gut ausgebildete Arzthelferinnen. Ergebnis: Wir brauchen 7!! Abdrücke, bis endlich einer passt. Hat auch nur 3,5 Stunden gedauert. Man schickt mich fort, erneut mit einem Provisorium. Wieder zwei Wochen warten.

Eine Woche später: Provisorium bricht raus. Wieder hin, neu ankleben lassen.

Eine weitere Woche später: Gottseidank ist heute alles problemlos. Provisorium raus, Kleber drauf, Krone drauf. Fertig. Tatsächlich. Ich kann es noch nicht glauben.

Sechs Wochen dauerte das Spektakel, das nicht nur Zeit, sondern auch eine Menge Geld verschlungen hat. Ansonsten: Die Zahnarzthelferinnen grüßen mich mittlerweile mit Vornamen. Jeder Mitarbeiter der Praxis hat mittlerweile mein Buch gekauft. Oral Marketing sozusagen. Ich kenne die Frühstücksvorlieben meines Zahnarztes, er weiß, wo ich arbeite. Demnächst geh ich auf nen Kaffee hin. Nee, das dann doch nicht.

30 September 2008 | | gedankenpuzzle | Comments

One Response to “Ein fragwürdiges Vergnügen”

  1. 1 Aquii 3 October 2008 @ 3:48 pm

    Hm, ich wuerde die Zuzahlung um 50% kuerzen. Wer solch horrende Summen nimmt, sollte gute Arbeit abliefern, nicht Pfusch, denn letztendlich ist es nichts anderes.

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