#14 Roberto Alajmo - Mammaherz
Cosimo Tumminia ist vierzig Jahre alt und mit den Frauen hat es bisher nicht so richtig geklappt.
Die einzigen Frauen in seinem Leben sind seine Mutter und Signora Pina, die Putzfrau, zu der er nur Kontakt über liegengelassene Zettelchen hält und die ihn seltsam anschaut, seitdem sie ein Schmuddelheft bei ihm gefunden hat. Auch in dem kleinen sizilianischen Ort, in dem Cosimo lebt, wird er seltsam angeschaut. Er hat keine Freunde, man geht ihm aus dem Weg und Cosimo weiß nicht so recht warum. Seltsamerweise bringt man ihn auch mit mehreren Unfällen am Ortseingang in Verbindung – und das wohl nicht nur, weil dort Cosimos Fahrradreifenrepartur angesiedelt ist. Wohl nicht nur aus diesem Grund läuft die Werkstatt schlecht. Stattdessen verbringt Cosimo seine Tage im Liegestuhl im Schatten vor der Werkstatt, hört Radio oder löst seine Settimana Enigmistica, sein liebstes Rätselheft, für das er immer genau eine Woche braucht.
Aus finanziellen Problemen heraus lässt sich Cosimo von dunklen Gestalten dazu überreden, für zwei, drei Tage ein Kind zu beherbergen. Danach wollen sie es unversehrt wieder abholen. Sie bringen das Kind in sein Haus als Cosimo in der Werkstatt ist. Er weiß nicht, wer das Kind ist, wie es heißt und warum es bei ihm ein paar Tage verbringen soll. Er weiß nur, dass es wohl nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Und dass seine Mutter auf gar keinen Fall etwas davon mitbekommen darf. Aus diesem Grund kündigt er der Putzfrau, aber eine echte italienische Mamma lässt sich nicht so einfach beiseite schieben.
Cosimo gelingt es nicht lange, seine Mutter im
Dunklen zu lassen. Denn als mehr als drei Tage verstrichen sind und nichts geschieht, wird ihm klar, dass irgendetwas nicht stimmt. Klar, dass nun die Mutter die Sache spitz bekommt und sie auf ihre Weise in die Hand nimmt…
Auf dem Buchrücken steht ein Zitat von Andrea Camilleri, dem ich uneingeschränkt zustimmen möchte: „Dieser Roman ist dermaßen stark und dicht, dass er den Leser geradezu zwingt, ihn ohne Unterbrechung zu lesen; vor allem weil wir es heir mit einem Erzähltalent zu tun haben, wie es in Italien heutzutage nur schwer zu finden ist.“
Stark und dicht, genau das ist Mammaherz. Er zeigt eine absolut authentische Innenschau der Charaktere, ihrer Beweggründe und Gedanken. Allein die Schilderung, wie Cosimo versucht, einen Platz zu beobachten, um die dunklen Gestalten zu treffen, ist dermaßen dicht verwebt, das selbst dieser kleine Vorgang, auf einer Bank Platz zu nehmen, eine seitenlange Schilderung erfährt und trotzdem in keinem Moment langweilt.Großartig!




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