#13 Richard K. Breuer - Die Liebesnacht des Dichters Tiret

Als “historisches Sittengemälde” wird dieses Buch betitelt. Ich habe ein ambivalentes Verhältnis zu historischen Romanen: Auf der einen Seite lese ich sie gerne, denn man kann daraus viel Geschichte erfahren. Oft ist es aber so, dass historische Romane schlecht recherchiert sind oder sich eine historisch anmutende Geschichte zurechtbiegen, damit die eigene Liebesgeschichte darin Platz findet. Das fällt natürlich nur auf, wenn man Kenntnisse über die Epoche vorzuweisen hat. Und das ist das Gefährliche daran: Hat man diese Kenntnisse nicht, so kann man sich nicht darauf verlassen, dass das Gelernte auch tatsächlich der Geschichtsschreibung entspricht. Genug drumherum geredet - das ist jedenfalls bei Richard K. Breuer nicht so. Im Gegenteil. Die Geschichte - zu der ich gleich komme - ist eingebettet in einen umfangreichen Anmerkungenkatalog, in dem detailliert erklärt wird, was fiktiv und real ist und wo man darüber genauer nachlesen kann. Gleichzeitig bettet der Autor historisch verbürgte Briefpassagen von Mirabeau und König Ludwig XVI. in seine Handlung ein - jedoch immer mit exakter Quellenangabe.

Die Liebesnacht des Dichters Tiret ist Band 1 einer noch nicht fortgeführten Reihe zur Französischen Revolution. Die Hauptperson ist der Gelehrte Aleksander Mickiewicz, der sich kurz vor Ausbruch der Revolution in die schöne polnische Aristokratentochter Madeleine verliebt. In den sich langsam entwickelnden politischen Wirren wird er durch verschiedene Ereignisse in die politischen Umbrüche hineingezogen, die nicht nur sein Leben verändern werden, sondern ganz Europa. Er muß feststellen, dass nichts so ist, wie es zu sein scheint. Nicht einmal er selbst…

Der Autor schreibt in einer sehr schönen, warmherzigen aber immer höchst authentischen Sprache. Mit ausgefeilten Dialogen und sprachlichen Raffinessen bringt er dem Leser die Gedankenwelt Voltaires, Mirabeaus, Rousseaus und Diderots näher, ohne je belehrend zu wirken. Darüber hinaus erfreut der subtil eingebaute Witz.

Kurz gesagt: Ich freue mich auf den zweiten Band!

26 August 2008 | | Gelesen | Comments

2 Responses to “#13 Richard K. Breuer - Die Liebesnacht des Dichters Tiret”

  1. 1 Rik 29 August 2008 @ 7:42 pm

    :-)))

  2. 2 Richard K. Breuer 23 April 2009 @ 9:22 am

    Hola Nathalie.

    Zwar gibt es (noch) keinen zweiten Band zu “Tiret”, dafür aber eine absurde Krimicomedy namens “Schwarzkopf”. Leseprobe ist gerade online gegangen. Vielleicht blätterst du mal rein, wenn du Zeit hast. Rezensions-Exemplar kann ich dir gerne zuschicken, wenn dir der Humor zusagt.

    Servus aus Wien
    Richard

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