#12 Jürg Beeler - Solo für eine Kellnerin

solo-fur-eine-kellnerin.jpgIdentität scheint das Kernthema der Bücher zu sein, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Auch bei diesem Kleinod, das die Lebensgeschichten zweier Männer erzählt, die durch eine gemeinsame Frau verbunden sind, stellt sich die Frage nach der Erkenntnis des eigenen Selbst, nach “Was ist wichtig?” und vor allem “Wer ist wichtig?”

Joachim Windspiel, Mitte 50, mit einer gescheiterten Ehe hinter sich, verkriecht sich in einem Haus in der Toskana, das seiner Tante Isabel gehört und teilt mit ihr nicht nur die Haustür.  Alessandro Ducino, 72 Jahre alt, ist der Ehemann von Isabel, wohnt unabhängig von ihr in Norddeutschland und verkriecht sich nach einer Hirnblutung ebenfalls,  jedoch in seinem Turmzimmer. Das wahre Leben bleibt dort außen vor, der Schöngeist widmet sich lieber den Schriften Blaise Pascals und Marc Aurels. Nach dem Tod seiner Mutter findet Joachim 27 Briefe, die die Identität seines Vaters in Frage stellen…
Die eigentliche Handlung tritt hier in den Hintergrund. Stattdessen liegt das Gewicht auf den existenziellen Überlegungen und Gedanken der beiden Männer, die immer abwechselnd von ihren Gedanken und Erinnerungen berichten. Die Protagonisten sind, so unterschiedlich sie sein  mögen, in einem ähnlich: Die Welt ist zu laut für sie. Und genau deshalb spielt dieses Buch auch  mit den leisen Tönen. Die Charaktere sind nicht voll gezeichnet, sondern warten auf Füllung vom Leser. Jürg Beeler gibt reichlich Anregungen, mit wunderbaren Sätzen, die man immer wieder lesen möchte, damit man sie nicht vergisst.

23 August 2008 | | Gelesen | Comments

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