Von Bewerbungen und der Tücke des Druckerkönigs

Jaja, es heißt ja immer: Bewerbungen schreiben ist kein Zuckerschlecken. Doch das eigentliche Schreiben der Bewerbungen ist ja nicht das problematische. Da setzt man sich hin, schaut sich das Unternehmen an und stückelt ein nettes Anschreiben zusammen. Fertig. Das richtig Problematische ergibt sich erst danach. Mir sind ja Onlinebewerbungen am liebsten. Anschreiben, Lebenslauf, Deckblatt - zack, Pdf, fertig. Zeugnisse als .pdf hintendran und ab damit in den Internetorbit oder bestenfalls auf den Desktop des Ansprechpartners. Manche Unternehmen wollen es aber nicht so, wie ich es will. Gestern freckelte ich mich ernsthaft 2 Std. durch ein SAP-Bewerbungstool eines globen Unternehmens, das partout kein Dokument, keine Angabe so will, wie ich es vorbereitet habe. Also alles von Hand eingeben, jede Jahreszahl, tausend Häkchen anklicken, wegklicken, um am Ende ein Pdf generiert zu bekommen, was tausend Mal beschissener aussieht, als die von mir vorbereiteten.

Heute morgen jedoch ein neuer Höhepunkt. Ich versuche, meine Bewerbung samt Anhang an die Emailadresse des Ansprechpartners zu schicken. Vergeblich. Mehrfach kommt die Meldung zurück: Datei zu groß. Also reduzieren, reduzieren, noch mal komprimieren und schließlich als .zip packen. Umsonst. Die Mail kommt zurück. Da hilft nur eins: den normalen Postweg gehen. Also Drucker anschließen und Lebenslauf und Anschreiben drucken. Der Rest liegt ja gottseidank schon als Kopien vor. Der Drucker hat in letzter Zeit oft Spirenzchen gemacht, bitte, denke ich, nur dieses eine Mal noch…
Pustekuchen. Der Drucker ist heute nicht auf meiner Seite (das der Druckergott das noch länger nicht sein wurde, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht).

Was dann? An der Ecke ist ein Copyshop. Also da hin! Ja, klar, radebrecht er auf deutsch-iranisch, drucken kannst du hier. Brav druckt er mir auch meine Seiten. Ein bis dahin unbekanntes Problem zeigt sich: Die graue Schrift ist zu hell, kaum lesbar. Ich frage: Kannst du das auch etwas dunkler drucken? Nein, ich müsse das Dokument ändern. Argh. Ich mache mich auf den Weg zur Post, benötige ja noch eine Briefmarke. Drinnen eine Riesenschlange, gottseidank, denke ich, kann ich ja an den Briefmarkenautomaten gehen. Doch der ist defekt (Druckerkönig nicht auf meiner Seite!), stattdessen muss ich mich doch drinnen an der Schlange anstehen, in der mindestens 14 Omas vor mir stehen.

Endlich habe ich meine Briefmarke. Auf dem Rückweg komme ich an einem anderen Copyshop vorbei. Geschlossen. Großartig. Dann noch einmal in die entgegengesetzte Richtung. Ich betrete “Sahins Druckertankstelle” schon mit gemischten Gefühlen. Doch, ganz allein bin ich nicht  in dem Laden, was mich ein bißchen aufatmen lässt. An den Internet-PCs sitzen zwei junge Männer und surfen, einer chattet, der andere spielt Online-Poker. Währenddessen versuche ich jetzt meine Pdfs zu drucken. Schwierig, wenn kein Reader vorliegt. Also die Worddateien. Ich höre den Drucker rumoren, doch die grauen Schriftteile sind nun auf einmal schwarz. Ich frage Sahin, woran das liegt und wie man das ändern kann. Er weiß es leider auch nicht, ruft aber bereitwillig seinen “Techniker” an. Leider ist nur dessen “Telesekretär” dran, es gibt also keine Antwort oder Lösung. Ich bezahle murrend meine Ausdrucke plus eine halbe Stunde Computernutzungszeit. Sahin scheint das unangenehm zu sein, er sagt “sei nicht traurig” und bietet mir noch einen Kaffee oder eine Cola mit ihm an seinem Kassentresen an. Ich lehne dankend ab und mache mich auf den Weg nach Hause.

Ich klingele bei einer Nachbarin, ob ich vielleicht bei ihr was drucken könnte. Natürlich könnte ich das, sie habe nur gerade ihren Drucker an ihren Freund verliehen. Das wär natürlich etwas doof. Aber vielleicht könnte ich ja bei meiner anderen Nachbarin klingeln? Ja, das tue ich. Auch die würde mich gerne drucken lassen, leider ist ihre Tintenpatrone leer. Die schwarze natürlich…

Ich gebe auf und entscheide mich dazu, die Version abzuschicken, in der die grauen Schriftteile schwarz sind. Mein Gegenüber ahnt ja nicht, dass diese Teile nicht schwarz sein sollen….
Also ab damit in den Umschlag, nochmal runter zum Briefkasten und weg damit. Soll noch mal jemand sagen, ich würde nicht genügend Energie in meine Bewerbungen stecken…

5 August 2008 | | Bewerbungsmarathon | Comments

One Response to “Von Bewerbungen und der Tücke des Druckerkönigs”

  1. 1 Rik 7 August 2008 @ 11:21 pm

    Tja. Zu Opas Zeiten, da schrieb man mit gestochen scharfer Handschrift seine Bewerbung selber (ich hab sogar noch ein Bücherl, in dem so ein “Bewerbungsschreiben” angeführt wird: buckeln, schleimen, noch mehr buckeln, noch mehr schleimen).

    Da soll mal einer sagen, dank der Technologie würden wir alles ratzfatz schneller machen. Denkste. Aber ein gutes hat die Sache. Bis dato dachte ich, man könne bei der attraktiven Nachbarin nicht klingeln. Sollte ich mir Mehl oder Zucker ausborgen? Das glaubt man mir nie und nimmer, dass ich koche oder backe. Aber einen Ausdruck machen, das hat was ;-)

Leave a Reply

  1.  
  2.  
  3.  

Navigation

Kategorien

don't impose

Meta

email abo

  • Wenn Ihr die Beiträge dieses Blogs als Mailing bekommen wollt, tragt hier einfach eure Mailadresse ein und klickt auf Eintragen

Archiv

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de blog-o-rama.de Blogverzeichnis
Egoload - Engagierter Idealist