Eben habe ich meinen Nachbarn getroffen, der gerade sein BWL-Studium beendet und zeitgleich ein Praktikum macht. In der Firma haben sie ihm ein Übernahmeangebot gemacht. Auf meine schüchterne Frage nach den Gehaltsvorstellungen antwortet er bescheiden mit: “Ach, nur 40.000 brutto. Aber das wird noch…”
Da frag ich mich, ob ich das falsche studiert habe. Einer Bekannten ist eine Einstiegsposition als Geisteswissenschaftlerin angeboten worden. In der freien Wirtschaft. 18.000 brutto. Hervorragend…

23 May 2008 | | gedankenpuzzle | Comments

9 Responses to “”

  1. 1 Jules 23 May 2008 @ 9:40 pm

    Ja, ich könnte Jura empfehlen, wenn man da den entsprechenden Abschluss hat (vollbefriedigend oder besser), gibt’s als Einstiegsgehalt 90.000 brutto. Von den Geisteswissenschaftlern gibt’s eben zu viele, da diktiert der Markt den Preis … Darum bin ich ganz froh, auf die freiberuflichen Füße mit doppeltem Standbein gefallen zu sein und nicht darauf angewiesen zu sein, ein geisteswissenschaftliches Studium abzuschließen …

  2. 2 Dirk 24 May 2008 @ 1:28 pm

    Die Risiken eines Freiberuflers möchte ich heutzutage nicht eingehen. Sieht zwar alles immmer schön bunt aus, aber man muss sehr genau schauen, was man mit der - vermeintlich - höheren Bezahlung macht. Sonst steht man am Ende mit leeren Händen da.

    Hmm…90T€ für einen schlecht ausgebildeten Anwalt? Jetzt wird mir so einiges klar :-))

  3. 3 Jules 25 May 2008 @ 4:25 pm

    @ Dirk: schlecht ausgebildet? Das ist die Frage. Die Benotung bei den Juristen läuft ja etwas anders als z.B. bei Biologie-Studenten. und die 90.000 sind halt die Spitze des Eisbergs. Ich kenne Juristen, die haben um die 30.000 Jahresbrutto angefangen.

    Die vermeintlich höhere Bezahlung jedenfalls, die’s für Freiberufler gibt, gilt nur eingeschränkt. Autoren und Übersetzer werden nicht so gut bezahlt, dass sie nicht auch immer wieder hangen und bangen müssten. Ich hab’s mir aber selbst ausgesucht, und abhängig bin ich allein von meiner Leistung, das ist mir lieber.

  4. 4 Dirk 25 May 2008 @ 4:43 pm

    @Jules: Mit “am Ende” meinte ich auch eher im fortgeschrittenen Alter, wenn Jüngere gefragter und flexibler sind. Die Zeiten ändern sich irgendwann. Und dann zählt leider nicht mehr die eigene Leistung sondern der Fokus der Anderen.

  5. 5 lady-kinkling 25 May 2008 @ 6:40 pm

    ad Jules: Es gibt nicht zu viele Geisteswissenschaftler!! Sie werden nur zu wenig wertgeschätzt!
    In einer Gesellschaft, die allein auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtet ist, wird Kultur & Kunst einfach total vernachlässigt. Das ist nicht klug, denn Kultur ist schließlich das, was am Ende bleibt. Aufgrund der derzeitigen Situation muß ich hinzufügen: Hoffentlich.

  6. 6 Jules 25 May 2008 @ 8:24 pm

    @ lady-kinkling: ich lebe davon, dass ich Wirtschaftlichkeit mit Kunst&Kultur verquicke, anders geht es nicht. Mein geisteswissenschaftliches Studium habe ich nach drei Semestern geschmissen, weil es mir viel gegeben hat, nach diesen drei Semestern für mich persönlich aber nicht mehr bot. Ich lebe davon, Geschichten zu erzählen. Und ja, ich muss dafür auch eine gewisse Marktorientierung in Kauf nehmen. Natürlich braucht es genau das, aber ohne den Markt ist selbst die Kunst verloren. (und das meint vor allem die Spekulationsblase, die in der Kunstwelt seit Monaten nur darauf wartet, zu platzen. Voilà.)

  7. 7 hith 25 May 2008 @ 8:46 pm

    @lady-kinkling: Was haben Geisteswissenschaftler eigentlich mit Kunst&Kultur zu tun? Hab ich da irgendwas falsch verstanden?

    Haben nicht die Juristen das Geld, um die Kunst zu fördern um sich zum Beispiel mit sündhaft teuren großformatigen Gemälden ihre Kanzleien zu dekorieren?

    Sind es nicht die Mediziner, die auf ihren Couchtables nicht stets die neuesten Hochglanz-Bildbände von Schirmer und Mosel stapeln?

    Sind es nicht die Wirtschaftskapitäne die abends die Logen in Theater- und Opernhäusern bevölkern?

    Das ist Kunst- und Kulturförderung! Geisteswissenschaftlern fallen mir eigentlich nur durch ihr Geseiere über Kunst und Kultur auf. Berufsnörgler, die mich gerne zum falschen CD-Kauf verleiten oder mich in langweilige Kinofilme lotsen.

    Ich selbst habe ja eigentlich nichts gegen Geisteswissenschaftler. Ich finde auch dass man sie fördern muss. Die Philosophie halte ich persönlich für die am meisten unterschätze Wissenschaft. Aber Kunst und Kultur kann jeder produzieren und jeder konsumieren, dazu braucht es nicht den Leitfaden studierter Hungerleider.

    Und Kultur ist das was am Ende bleibt? Welches Ende? Woher weiß man das? Als Naturwissenschaftler bin ich da skeptisch. Ein paar Nebenprodukte des Fortschritts sehe ich da sogar die Kultur überleben…

  8. 8 lady-kinkling 25 May 2008 @ 9:07 pm

    Was ich damit meine, ist, daß die Kultur heutzutage schnell vergessen wird. Dabei interessiert heute keinen mehr, wer 1750 von welchem Geld was erreicht hat, Goethe wird aber immer noch gelesen. Und ich frage mich, ob das weiterhin so sein kann, wenn sich um Kultur keiner mehr kümmert, also woher man selbst kommt und worauf sich andere Kulturen gründen etc.

    ad falscher CD-Kauf: lieber Deutschland sucht den Superstar und Blockbuster mit viel Blut - verkauft sich am besten?

  9. 9 lady-kinkling 25 May 2008 @ 9:29 pm

    ad deeli: Tschuldigung, daß ich hier so rumpöble. Die Geisteswissenschaftsrechtfertigungsdiskussion regt mich immer ziemlich auf …

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