#9 J.R. Moehringer - Tender Bar

Lange bin ich um das Hardcover herumgeschlichen - als Taschenbuch griff ich dann endlich zu. Dieses Buch kann ich nur ans Herz legen. Gut, Geschichten aus Bars mochte ich schon immer, doch dieses Buch ist etwas Besonderes. JR, vaterlos aufgewachsen, sucht seine männlichen Rollenvorbilder in der Bar, in der sein Onkel arbeitet. Die Bar ist seine Familie und ausser seiner Mutter die einzige, die ihn sein Leben lang begleitet. Autobiographisch angelegt zeigt die Geschichte, wie man aus dem größten “Scheißhaus” des Opas es tatsächlich bis zur Times bringt.

Es ist ein Buch, in dem nicht die Story etwas Herausragendes ist (eher im Gegenteil, für mich hat sie eigentlich etwas zu viel amerikanisches Pathos und Tellerwäscher-zum-Millionär-Mentalität). Nein, das Herausragendste dieses Buches ist die Liebe zu den Worten. Es sind die Sätze, die man viermal liest, um sie zu verinnerlichen und zu beten, dass sie nie wieder vergessen werden.  Kleine Ideen und Gedanken, die so einleuchtend sind, das es ist, als wären sie schon immer im eigenen Gehirn gewesen. Es sind die liebevollen Figurenzeichnungen, die auch schlechte Charaktereigenschaften nicht verurteilend darstellen. Man mag dem Autor, nicht zufällig Pulitzerpreisträger, gratulieren. Dieses Buch ist äußerst lesenswert, wenn man auf die leisen Töne hören möchte. Über die Konstruktion und das Personenmaterial sollte man nicht länger nachdenken. Hier ist doch einiges arg passend gemacht worden. Aber darum geht es ja in diesem Buch nicht. Und für diese Sätze - dafür verzeihe ich einiges.

Tender Bar

16 April 2008 | | Gelesen | Comments

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