Don’t impose - die Höflichkeitskolumne am Montag

7. April 2008 – Die Kack-Prinzessin

Wieder einmal verbringe ich etwas Zeit mit einer Freundin in den gemütlichen Sesseln einer amerikanischen Kaffeehauskette. Obwohl es gemütlicher ist als in meinem Wohnzimmer, ist es doch nicht halb so privat. Natürlich bekommt man hin und wieder Gesprächsfetzen mit, doch letzten Endes schert sich doch jeder meist nur um seinen Dreck. Womit wir beim Thema wären. Draußen beginnt es wie aus Eimern zu schütten, was sich merklich auf die Zahl der Besucher im Laden niederschlägt. Zwei Frauen in unserem Alter kommen mit Kinderwägen durch die Tür. Dass sie offensichtlich nur Schutz vor dem Regen suchen und nicht wegen des Kaffees kommen ist klar: Mineralwasser und Apfelschorle stehen auf ihrem Tisch, den sie sich direkt neben uns gesucht haben.  Die kurzhaarige junge Mutter grinst uns an und sagt: „Keine Sorge. Die sind ruhig. Keine Alarmanlagen.“ Als meine Freundin zurücklacht schiebt sie hinterher: „Ich weiß doch, das das oft nervt.“ Und tatsächlich, die Kinder sind ruhig, man könnte meinen sie würden schlafen. Zumindest der Darm des kleinen Mädchens im  Prinzessinnenoutfit schläft definitiv nicht. Denn der macht  plötzlich geruchsüberfallartig auf sich aufmerksam. Und dann geht das Spektakel los: „Corneeeeliaa! Hast du schon wieder Aa in die Hose gemacht? Bist du wieder eine kleine Kack-Prinzessin? Bist du? (Gefolgt von einem in-die-Wange-kneifen und laut Bu-bu machen)

Die andere Mutter springt auf, rennt zur Toilette, kurz rein, dann wieder raus, dann zurück zu ihrem Platz. „Ach verdammt, da kannst du nicht drin wickeln. Das ist winzig!“ Die Mutter flucht. „Scheisse, Scheisse!“ (Im wahrsten Sinne des Wortes) Es stinkt übelkeitserregend. Das fällt nun auch der Mutter auf. „Corneeelia! Wie kann aus so einem kleinen Popo soviel Kacke kommen?“ Und zur Freundin: „Boah das stinkt so, ich kotz gleich.“ Genau das denken wir auch, denn es stinkt in der Tat so, dass Atmen nur durch den Mund machbar ist. Da wir andauernd angeguckt werden von den Müttern sagen wir nichts, sondern versuchen so wenig wie möglich zu atmen. Dann der Super-Gau. Mutter 2 räumt flott Apfelschorle und Mineralwasser auf den Boden, die andere legt die Kack-Prinzessin auf dem Rücken auf den Kaffeetisch. Schwupps ist die Windel runter. Nach kurzer Zeit ist sie fertig, Corneeelia ist frisch gewickelt. Sie holt sich an der Theke einen nassen Lappen, wischt einmal über den Tisch und schon steht dort wieder Mineralwasser und Apfelschorle und schon sind die beiden wieder bei ihrem Spielplatzgespräch von davor.
Wir zwei allerdings sitzen da wie paralysiert. Immerhin können wir jetzt schon wieder atmen. Meine Freundin bringt zuerst ein Wort raus. Zu den Müttern gewandt sagt sie: „Gilt das auch als Erregung öffentlichen Ärgernisses?“ Die Mütter lachen. „Kinder sind Biowaffen. Da hilft gar nichts…“

7 April 2008 | | don't impose - die höflichkeitskolumne | Comments

2 Responses to “Don’t impose - die Höflichkeitskolumne am Montag”

  1. 1 SusanneM 7 April 2008 @ 2:27 pm

    Iih, ich kann es förmlich riechen. Aber noch schlimmer finde ich die Kommentare der Mütter.
    Ich könnte aber dagegen halten mit zwei furzenden Hunden!

  2. 2 pitch 7 April 2008 @ 10:18 pm

    boah das geht ja mal gar nicht! sowohl geruch als auch “wickeltisch”.

    abgebrühte mütter!

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