Ich bin nicht dafür geboren, zu warten; doch nichts anderes tue ich
Die lange Distanz war noch nie meins. Die kurze dagegen - ein Heimspiel. Für kurze Zeiten gebe ich alles, powere mich aus, arbeite Tag und Nacht und ein gewisses Stresslevel gepaart mit Adrenalin sorgt dafür, dass ich zu Höchstleistungen auflaufe. Die lange Distanz hingegen? Da bleibt die Motivation auf der Strecke, mein Hang zur Prokrastination kommt voll zum Tragen und ich putze lieber die Küche als meine Arbeit zu erledigen. Doch noch schlimmer als auf einen langen Zeitraum hin zu arbeiten, ist diesen Zeitraum passiv zu verbringen und auf etwas zu warten. Das war schon beim Warten auf die Abiturergebnisse so. Beim Warten auf die Ausbildungsergebnisse. Schlimmer noch das tägliche Laufen zum Briefkasten in der Hoffnung auf einen ZVS-Bescheid. Aber das hier, das sprengt alle Grenzen. Jeden Tag laufe ich 5 Stockwerke hoch und runter zum Briefkasten, mindestens drei Mal. Seit Januar. Ich warte. Und das mit allen Fasern meines Körpers, träume nachts von nichts anderem und überlege mir schon beim Aufstehen, wie der Tag aussehen würde, wenn endlich der ersehnte Brief im Briefkasten blitzt. Wen ich zuerst anrufe und ob ich trotzdem fleissig wieder an meine Arbeit gehen würde oder lieber in die Stadt, feiern. Ich weiss es nicht. Ich weiss nur eins - es wird Zeit. Denn zum Warten bin ich ganz sicher nicht geboren.




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