Horror seit Jugendtagen
ist für mich der Friseurbesuch. Ich weiß nicht, wie andere Frauen genüßlich Stunden dort in einem unbequemen Stuhl verbringen können, in einer wasserstoffperoxidgeschwängerten Luft. In tuffige Schwaden gehüllt, umgeben von Klatschpresse und miesem Kaffee sich die Neuigkeiten der örtlichen Prominenz anhören - nein danke. Das ist nicht meine Welt. Ich war schon immer unkompliziert, was meine Haare angeht. Natürlich, gut sollen Sie schon aussehen. Aber ich hatte immer Frisuren, die nicht zweiwöchentliches Nachschneiden oder Nachfärben erforderten.
Das liegt vor allem an dem Trauma, das ich seit Jugendtagen pflege. Nachdem die Haare gewaschen und geschnitten wurde, wurde es fleissig mit Bügelstärke eingesprüht, dann mit massig Fönluft zu einem Haarungetüm aufgefönt, manchmal noch antoupiert und mit Flüssigplastik eingesprüht, damit man auch ja, wenn man mit dem Rad nach Hause fahren musste, zuhause noch die ganze Pracht vorzeigen konnte. Schlimm war auch der Frisör, der mich mit 13, weil ich ja ach so schönes dickes Haar hatte, mit einem Bauernzopf verschandelte und das Elend noch mit Gänseblümchen dekorierte. Nicht nur meine Mutter war geschockt.
Samstag fühlte ich mich abrupt an diesen Tag erinnert, als eine Olga, die mehr als brüchiges Deutsch sprach und offensichtlich nur zum Haarewaschen und -fönen eingestellt war, meine Kopfhaut mit Bürsten malträtierte. “Immer schön die Bürsten drin lassen und auskühlen lassen” - so wies sie der Gockel im Hühnerhaufen an. Machte sie auch brav. Schon mal aufgefallen, wie blöd man aussieht, wenn in der Frisur (oder das, was sie mal werden soll) exakt 17! Bürsten stecken? Vom Gewicht ganz zu schweigen.
Olga war auch zu blöd, die Keramikbürsten wieder aus meinen Haaren zu lösen. Ein Ziepen und ein Zerren war das und nach nur 27! Minuten hatte sie alle Bürsten wieder fleissig auf ihren Handkarren geladen. Meine Haare standen wie ein Handfeger in alle Himmelrichtungen, hatten aber immerhin “eine wunderschöne Außenrolle”. Ach, noch schnell mit Flüssigklebstoff besprühen, damit “ihnen draussen bei dem starken Wind nicht die ganze Pracht zerfällt”.
Wäre sie es mal! War sie aber nicht. Und so blieb mir zu Hause auch, wie in Jugendtagen, nichts anders übrig als mir die Haare noch einmal zu waschen. Dann fühlten sie sich auch wieder an wie meine Haare und nicht wie ein Pferdehaartoupet.




4 Responses to “Horror seit Jugendtagen”
1 hith 25 February 2008 @ 10:22 pm
Sehr schön, ich geh auch ungern zum Friseur, aber eigentlich nur, weil mir die Zeit dafür zu schade ist …
Nur bei wasserstoffperoxidgeschwängerter Luft, da kommt der Chemiker in mir durch und der muss klugscheissen: So eine Luft ist nur schwerlich vorstellbar, und wenn wäre sie geruchlos. Sorry.
2 deeli 25 February 2008 @ 10:27 pm
das kann sein, da muss ich zugeben, dass ich mich auf dem gebiet der chemie nicht ausreichend auskenne. ich meinte eigentlich diesen geruch nach blondiercreme…
danke für die aufklärung!
3 Dirk 25 February 2008 @ 10:28 pm
Ich vermisse die Bilder …
4 Zmivv 26 February 2008 @ 10:35 am
Ich mag Friseurbesuche. Meine Friseurin ist nett, ich mag mich mit ihr unterhalten.
Männerfrisuren sind gemeinhin - wenn nicht allzu stark metrosexualisiert - eh einfacher zu zaubern. Und für die Zukunft sowieso praktischer:
Während Frau sich die grauen Haare blasslila färben lässt und zu einem ungewöhnlichen großen Mop, den andere für einen Heißluftballon halten könnten, toupieren lässt, kämmt Mann entweder die verbliebenen paar Haare über die kahlen Stellen oder aber lässt sich den kahlen Schädel auf schlichte, aber elegante 3 Millimeter raspelkurzrasieren.
Ich bin froh, nicht mit Lockenwicklern und dem ganzen Schnickschnack in großer Klatschrunde sitzen zu müssen.
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