Tag 9, 10 und 11

Offenbar unterschätzte ich das Fertigkeitslevel der Tage zuvor, denn an Tag 9 war dringend eine Auszeit nötig. An Arbeit war nicht im Traum zu denken, da sperrte sich der Körper vehement. Also musste kurzfristig jemand her, der für mich einspringt, damit ich im Bett liegen bleiben konnte. So jemand fand sich auch, so dass ich tatsächlich den Rest des Tages unter einer wohlig warmen Decke eingekuschelt bleiben konnte.

Hatte ich damit gerechnet, dass sich mein Akku wieder ein bißchen aufladen würde - ich irrte. Und zwar ziemlich. Denn sobald ich an Tag 10 meinen Arbeitsplatz erreichte, war alles wieder auf dem Stand, wie es vorher war und im Laufe der Nacht wurde es nur immer schlimmer. Die Beine schmerzten, die Oberschenkelmuskeln waren verhärtet, die Zehen schmerzten. Die Erkältung trieb mich langsam in den Wahnsinn und auch 1,5 Liter Cola und mehrere große Tassen Kaffee konnten mein Koffeinlevel nicht auf ein Level treiben, dass ich nicht beinahe im Stehen eingeschlafen wäre - davon hielt mich nur das permanente Würgen beim Anhören des “Roten Pferds” ab.

Apropos: Ein Mann und seine Schwiegermutter verstehen sich nicht besonders gut. Als sie ihn fragt, was er sich zu seinem Geburtstag wünsche, antwortet er singend: “Ein Stein, der deinen Namen trägt….”
Nicht witzig? Nee, auch nicht beim zehnten Mal. Aber das macht nichts. An Tag 11war er auch nicht witziger.

Manches fällt eindeutig schwerer. Betrunkene Jecken sind bestimmt nicht einfach zu ertragen. Zu Beginn nimmt man es doch noch gelassen, nimmt vieles mit einem Lächeln. An Tag 10 hätte man mir aber das Lächeln im Gesicht festtackern müssen. Spätestens, als sich im Laufe des Abends 18!! Männer bei mir beschwerten, ich hätte ihnen 50 Euro unterschlagen. Sie hätten mir 70 Euro gegeben, aber da hätten zwei Fünfziger zusammengeklebt. Klar. Im Leben nicht. Hätt ich wohl gemerkt, wenn ich soviel Extra-Trinkgeld hätte machen können…

Zur Bahn laufen war dank schmerzender Füße nicht im Traum denkbar. Aber ich fahr ja gerne Mercedes. Bevorzugt die gelben. Als ich nach drei zuhause ankomme, tobt nebenan noch der Bär - die Nachbarn feiern eine Karnevalsparty. Leider noch bis morgens um 5. Die Nacht war für mich also relativ kurz, denn ab kurz nach neun tobte draußen der Karneval. Karnevalswagen, Jecken, Musik - also beste Voraussetzungen, nicht zu schlafen. Was ich dann auch tat.

Arbeitstag 11 erlebte ich sozusagen im Wachkoma -alles lief nur so an mir vorbei. Nichts blieb hängen im Gehirn außer “Schmerz, Schmerz” und “Füüüße!” Keine besonderen Vorkommnisse. Die Gäste - unerträglich. Der Security ging in die Vollen: “Darf ich dich vielleicht auch mal privat beschützen?” Würg. Die Musik - migränereif. Ich starrte andauernd auf die Uhr. Nur noch 10 Stunden, noch 9, noch 8. Irgendwann war es dann soweit, die Veranstaltung vorbei. Nun noch aufräumen, Deko entfernen und für die normalen Veranstaltungen rüsten. Dann ab in den gelben Mercedes und ab ins Bett. Denn schließlich ist am nächsten Tag Rosenmontag…

6 February 2008 | | la vida quotidiana | Comments

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