Tag 7 - Langsam wird’s Zeit, dass es aufhört
Meinen freien Tag 6 verbrachte ich wie ein Murmeltier: schlafend. Die Eltern kündigten sich an und blieben auf einen Kaffee, während bei mir die Kraft nur noch dazu reichte, den Tisch aufzuräumen und die Wohnung etwas besser herzurichten. Als sie gegangen waren, sank ich lethargisch in mein Bett um mich vom Fernseher berieseln zu lassen - ich war ganze 7 Stunden an diesem Tag wach…
Tag 7 sollte die (relative) Ruhe vor dem Sturm werden, was nicht bedeutet, dass nicht viel los war, sondern das ein jeder nur von Tag 8 sprach und dem was da kommen würde: Weiberfastnacht. Und so wurden in jeder freien Minute Vorbereitungen getätigt, damit Tag 8 nicht so schlimm werden wird, wie die letzten Jahre. Aber ich glaube, da bringt alle Vorbereitung nichts.
Stattdessen durfte ich mich gestern beschimpfen lassen. Von einem Schwulen. Versteht das nicht falsch, ich hab nichts gegen Schwule, aber das war mir gestern doch etwas too much. Es ist Pause, es stehen ungefähr 15 Leute vor mir, die alle das gleiche von mir wollen. Ich also: “Ein neues Pittermännchen kostet 58 Euro.” Alles klar. Alle haben das verstanden und kramen in ihren Geldbeuteln herum. Dann jeder einzeln. Ich “58 Euro”. Die Gäste bezahlen. Dann der Schwule. “Der ganze Satz heisst : Ein neues Fässchen kostet 58 Euro, mein Herr.” Da fällt mir nichts zu ein, ich schaue ihn kurz irritiert an, bevor seine Litanei weiter geht. Ich wäre ja so unhöflich. Das wäre unmöglich und das hätte bestimmt was damit zu tun, dass er schwul sei und das würde er nicht auf sich sitzen lassen und wo denn mein Chef wäre. Leider kam der in dem Moment zur Tür hinein und durfte sich das Geplänkel auch anhören. Mittendrin sagt er dann zu einem anderen Gast einfach nur “58 Euro” und dann zum Beschwerdeführer: “So macht man das. Wir wollen nämlich was verkaufen. Und nicht quatschen.” Dreht sich um und geht. Der Schwule dann auch. Gesehen hab ich ihn an dem Abend gottseidank nicht mehr….
Die Nerven liegen blank. Jeder geht auf dem Zahnfleisch und ist nervlich angegriffen. Da kann schon ein kleiner Unterton bewirken, dass sich die Mitarbeiter anzicken. Es wird so langsam Zeit, dass es aufhört..
Ab morgen fahren die Bahnen wieder nachts. Also mit gut Glück heute das letzte Mal, dass ich mein Geld abends beim Taxifahrer wieder abgebe. Luxusdefinition von heute: ein kuscheliges Bett.




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