Tag 5

Das Aufstehen fiel extrem schwer, die Augenlider haben den ganzen Tag einen Hang nach unten. Nichtsdestotrotz eile ich zur Arbeit,  heute noch früher als sonst, da ich noch eine Freundin abholen muss.
Traditionell ist bei uns der Montag der umsatzärmste Tag, wer schüttet sich schon montags die Birne zu, wenn er Dienstag arbeiten muss? Dementsprechend war die Bilanz des Tages eher langweilig. Ich stand mir die Beine in den Bauch und machte nicht die Hälfte des Umsatzes des vorigen Tages.

Die Karnevalslieder gehen mir auf die Nerven, und  zwar gewaltig. Mittlerweile steht “Wenn nicht jetzt, wann dann” in meiner persönlichen Playlist ganz weit oben und ich schwöre, ich hab es nicht ein einziges Mal freiwillig gehört. Nach 5 Jahren höre ich manche Lieder gar nicht mehr, auch ein Vorteil. Dafür kann ich dieses Jahr Bernd Stelters Rede noch nicht auswendig, un dass nach der Hälfte der Tage. Vielleicht wird es dieses Jahr ja nicht ganz so arg, ich hab noch Hoffnung.

Sehr hübsch auch: Ein Mann, der auffallend Herrn Biolek ähnelt, mit starker Faltenbildung und fehlenden Haaren, kommt zu mir an die Theke. Neben ihn gesellt sich eine junge Frau, ungefähr in meinem Alter. Offensiv baggert er die kleine Fee  an. Erzählt ihr, dass er auf junge Frauen stehe.  Aber er könne sich das ja leisten. “Wissen Sie, was mich von George Clooney unterscheidet?”, lacht er sie an. Ganz schön höflich ist die Kleine, denn anstatt “alles?” zu fragen, antwortet sie, dass sie es nicht wisse. “Nur das Geld”, beantwortet er seine Frage. Und erzählt dann, dass er mit seinem Aussehen lauter junge Frauen aufreissen könne. Die Frau schaut mich an und in ihren Augen zeigt sich, was sie dazu denkt: Auch mit dem Geld von George Clooney würde dieser Mann nicht dessen Sexappeal haben. Never ever.

Zur Unterstützung schickten sie mir diesmal einen Azubi aus der Verwaltung. Ein kleiner, etwas molliger, schüchterner Zwanzigjähriger, der mir erzählte, dass er ein Gewerbe angemeldet habe und als Alleinunterhalter arbeite nebenbei. Ahja. Wieder einmal bestätigt sich für mich, dass Alleinunterhalter seltsame Menschen sind. Da hab ich gestern bessere Laune gehabt und war, ganz eingebildet, witziger als er. Aber, das war auch keine Kunst. Selbst ein Knäckebrot wäre witziger gewesen. Obwohl. Alleinunterhalter bestechen ja durch wunderbar schlechte Darbietungen von Gesang und Keyboardspiel. Und wenn ich mir das so vorstelle - doch, das ist in der Tat witzig.

Die Nacht war zu kurz für mich, ich war erst um halb sechs daheim, fix und fertig. Da hab ich mir doch einen freien Tag verdient.

29 January 2008 | | la vida quotidiana | Comments

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