Glück aus Enttäuschung
Kurz vor der Feier an Heiligabend beendete ich die MA, natürlich fehlt noch das Feintuning, die ersten Korrekturleser haben ihre freundliche Gabe von mir erhalten. Irgendwie fand ich an den Weihnachtstagen auch noch die Zeit, die ersten drei Kapitel für das Buch zu schreiben. Auch hier bin ich eigentlich ganz zufrieden, weiß aber, dass das besser noch mal für ein paar Tage in die Schublade sollte, da ich nach ein paar Tagen Abstand manchmal ganz anders über Dinge denke.
Für den Abstand in meinem Kopf nach den Weihnachtstagen, die zwar ruhig, aber nicht unstressig waren, holte ich mir mein Auto von meinem Bruder zurück und fuhr mit dem Liebsten nach Venlo. Zwischen Deutschen, die ihr Weihnachtsgeld in Kaffee und Vla ummünzten fuhr ich einen Gang runter und fühlte mich zwischen den Hetzenden wie in Slow-motion.
Doch gestern abend war das mühsam aufgebaute Ruhegefühl und die innere Sicherheit wieder gefährdet. Es fanden sich zwei Emails, die mir doch irgendwie nahe gingen. Die Silvesterparty ist abgesagt wegen Unfall. Nun gut, da wird sich schon was anderes finden. Und zur Not bleiben wir daheim und machen es ruhig und gemütlich samt Feuerwerk anschauen auf der Severinsbrücke. In der anderen Mail waren die Korrekturen zur MA. Und zwar nur zur Einleitung schon ein 1,5 Seiten langes Dokument mit Anmerkungen. Überfahren hat mich das. Natürlich. Da war wohl der Wunsch Vater des Gedankens endlich fertig zu sein. Auf den Balkon, durchatmen, den großen Wagen durchzählen. Zeit vergehen lassen, nachdenken. Ich sollte dankbar sein, dass jemand sich so sehr mit meiner Arbeit auseinandersetzt und sich soviel Zeit nimmt. Davon kann ich nur profitieren. Jede Kritik ist besser als eine nicht vorhandene. Doch trotzdem, der Schmerz bleibt. Aber daran sollte ich mich gewöhnen.
Ausserdem stelle ich fest, dass ich der glücklichste Mensch auf Erden wäre, wäre es mir möglich, mich über eine Enttäuschung zu freuen. Immer wieder.




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