Don’t impose - die Höflichkeitskolumne am Montag - heute: 29. Oktober 2007
29. Oktober – Hamstermentalität und Weinkenner
Ich hielt das für eine Eigenart von Menschen, die noch, wie meine Oma sagte, auf den Pfennig achten. Als es vor ein paar Tagen hieß, man benötige meine Hilfe für eine VIP-After-Show-Party, erwartete ich all diese Dinge nicht. Sicher, auch hier waren alle Getränke umsonst, aber von so genannten „Stars“ erwartete ich gerade das nicht. Ich musste mich aber belehren lassen.
Zusammen mit einer Kollegin teilte ich mir den Dienst hinter der Theke, während andere Kolleginnen Prosecco auf Tabletts durch die Menschen trugen. Jedes Mal, wenn sie wieder an die Theke kamen um ihr Tablett auffüllen zu lassen, wurden die Gesichter länger. „Unfreundlich“ hörte ich, „unverschämt“ und „arrogant“. Beschimpft wurden meine Kolleginnen, hin und her kommandiert. Kurze Zeit später hatte ich das zweifelhafte Vergnügen ein Exemplar dieser gutgelaunten Spezies selber zu begutachten. Ein jüngerer Herr, bekannt aus einer Vorabendserie, tritt an die Theke, in der Hand ein Kölschglas, was er ein paar Sekunden früher aus dem Kranz meiner Kollegin bekam. Nun kommt er zu mir, um sich zu beschweren: „Ich möchte mindestens 5 Millimeter mehr Schaum! Das hier ist mir zuwenig Schaum!“ Entgegen meiner Erwartung stellt er ein völlig akzeptabel gezapftes Kölsch auf den Tresen, bei dem es wirklich keinen Grund zur Beanstandung gibt. Aber: Der Kunde ist König. Also bekommt der Herr ein neues Kölsch.
Ein paar Minuten später nimmt ein älterer Herr ein Glas Weißwein von einem Tablett meiner Kollegin. Er nippt am Wein und „phhh“ spuckt den Wein zurück ins Glas und spricht kurz mit seiner Begleitung. Die Frau kommt kurz danach zu mir an die Theke. „Mein Mann sagt, der Weißwein ist mindestens 3 Grad zu warm!“ Aha. „Mein Mann sagt, der wäre bestimmt falsch gekühlt. Nun, ich bestehe darauf, dass Sie eine neue Flasche aus dem Gefriergerät aufmachen, und zwar in meinem Beisein. Und dann hätte ich gerne zwei Gläser!“
Wie gesagt, der Kunde ist König. Also gehe ich an den Weinkühlschrank, auf dem die optimale Kühltemperatur für den Weißwein eingestellt ist, entnehme ihm eine Flasche und gieße ihr zwei Gläser ein. Sie nimmt ein Glas in die Hand, nippt kurz daran und „phhh“ spuckt den Wein zurück ins Glas. „Der Wein ist immer noch mindestens 2 Grad zu warm!“ speit sie mir entgegen. Sie knallt das Glas auf den Tresen, so dass sich eine riesige Weinpfütze bildet und quietscht: „Das ist eine Unverschämtheit! Ihren verdammten Wein können Sie behalten!“ Sprichts, dreht sich um und verschwindet in der Menge.
Jaa, „Promis“ sind eben auch nur Menschen.




7 Responses to “Don’t impose - die Höflichkeitskolumne am Montag - heute: 29. Oktober 2007”
1 mompl 29 October 2007 @ 12:21 pm
*tz* scheinbar eine ganz “eigene” Gattung, das ist ja nun wirklich total unverschämt. Aber ich weiß auch sowetws zu berichten. In grauer Vorzeit habe ich auch mal im Service gearbeitet und wir hatte eine Anzahl von gute betuchten Hobbyjägern zu bewirten. Ich kann dir sagen, Benehmen war da echte Glücksache … und weil wir nicht “schnell” genug waren haben sie eben mit ihren widerlichen dicken Zigarren in die Dessertteller geascht … ARMES DEUTSCHLAND !!!
2 Dirk 29 October 2007 @ 12:35 pm
Geiz ist eben geil. Wenn man etwas schon umsonst bekommt, muss man dafür nicht dankbar sein, sondern darf auch noch an der Qualität herummäkeln und sich gegenüber dem Gesinde aufspielen, als ob man etwas Besseres wäre. C-Promi hin oder her.
3 Dirk 29 October 2007 @ 12:40 pm
Nachsatz zu Kommentar 2: Falls es mißverständlich war: Ich finde das Verhalten extrem unverschämt. Natürlich war mein Statement ironisch zu verstehen.
4 mompl 29 October 2007 @ 12:40 pm
@ Dirk was ist ein C-Promi ???
5 Dirk 29 October 2007 @ 12:42 pm
@mompl: Das sind die, bei denen es nicht zum B-Promi gereicht hat.
Also als B- und C-Promis bezeichnet man diejenigen, die Ihre TV-Präsenz durch Auftritte in zweifelhaften Sendungen wie Dschungelcamp etc. würzen müssen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten.
6 mompl 29 October 2007 @ 12:44 pm
*hehe* verstehe, ich würde diese alle unter D wie “DÄMLICH” einsortieren …
7 Zmivv 29 October 2007 @ 12:48 pm
Prominente dürfen das doch, oder?
Dann bin ich ab jetzt auch ein Prominenter.
Ich möchte mich auch einmal wie Schwein benehmen dürfen.
Aber dazu ist meine Erziehung zu gut…
*Zwickmühle*…
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