Don’t impose - die Höflichkeitskolumne am Montag - heute: 3. September 2007
Bier für den Macho
Mein Arbeitskollege Marco ist dreiundzwanzig, ca. 1,80 Meter groß und hält sich für den heißesten Typen unter der Sonne. An diesem Selbstbild stört ihn auch nicht, dass er immer noch in einer Ausbildung zum Bürokaufmann steckt oder dass er bereits sehr deutliche Anzeichen einer Vorderglatze trägt. Nein, Marco hält sich für unwiderstehlich mit seiner solariengebräunten Haut, seinem von der Bildzeitung vermitteltem Weltwissen, dem tiefergelegten nachtblauen alten Golf und seinem Zimmer zu Hause bei seinen Eltern. Denn all diese Benefits geben Marco die Möglichkeit, die Menschen, denen Marco begegnet, zu beurteilen und auf seiner hot-or-not-Skala zu verorten.
Heute verschlug es Marco mit mir zusammen an den Bierausschank. Charmanterweise hält er sich mit seiner Meinung über das weibliche Geschlecht nicht zurück während er Bier zapft, obwohl die Kundschaft lediglich durch eine Theke von ihm getrennt ist. So spricht er zwei Männer, die gerade bei ihm Pils bestellt hatten, auf zwei vorbeilaufende Frauen an: „Schauen Sie sich mal die an, die sehen doch aus, als wären die gerade mit dem Wohnwagen aus Polen gekommen.“ Während ich noch „Marco!“ zischel, lachen die beiden Männer mit Marco und ziehen über die weißen Leggings einer der Frauen her. Als er fertig ist, ziehe ich ihn zur Seite und ermahne ihn. Er versteht meine Ausführungen zur Kundenfreundlichkeit wohl nicht so ganz, denn zu seiner Verteidigung bringt er lediglich ein „wenn es doch stimmt, haste die nicht gesehen, wie die aussahen?“ hervor.
Neue Kunden verlangen unsere Aufmerksamkeit und wollen bedient werden. Am Ende der Schlange stellen sich zwei junge Frauen an. Schon hat Marco eine von ihnen als neues Opfer erspäht. Er dreht sich zu einem der biertrinkenden Männer am Tresen um und sagt: „Mit so fetten Schenkeln würde ich mich nicht in eine Leggins quetschen. Die sieht ja schlimmer aus, als ne Leberwurst.“ Die Männer lachen laut und klatschen ihre Hände gegeneinander.
Minuten später hat die junge Frau in Leggins die Theke als Kopf der Schlange erreicht. Sie bestellt ein Pils und nestelt an ihrer Handtasche herum. Als Marco das Bier vor sie hinstellt, nimmt sie es in die Hand und schüttet es mit starkem Schwung in sein Gesicht. Völlig verdutzt schaut er sie an. „Boah, wat soll das denn!“, brüllt er.
„Das ist für die fetten Schenkel, du Arsch“, sagt sie ruhig, dreht sich um und geht.
Bravo, denke ich, bravo!




One Response to “Don’t impose - die Höflichkeitskolumne am Montag - heute: 3. September 2007”
1 Andreas 3 September 2007 @ 12:11 pm
hehe - das hat er nicht anders verdient
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