jungensünden
Wer jung ist, begeht Fehler. Wenn Jungen im Spiel sind, dann häufen sich die Fehler aus Sicht der erwachsenen Frauen doch recht häufig. Ob das nur Frauen so sehen, kann ich nicht beurteilen, da sind nun Männer gefragt, doch eins ist wahrscheinlich: Jeder hat einmal Fehler gemacht, was die Liebe angeht.
Ich habe mich einmal in einen Jungen verliebt, der Turnierreiter war. Vielleicht waren es die vielen Pokale die mich blendeten, vielleicht war ich mit 13 aber einfach auch noch jung und dumm. Wohl eher das. Gottseidank hab ich aber aus den Fehlern der frühen Jahre gelernt, später sind mir solche Schnitzer nicht mehr passiert. Dafür dann andere, aber das soll besser an einer anderen Stelle…
Was passiert aber, wenn die Fehler, die man macht, nicht so einfach zu korrigieren sind, wie dem Turnierreiterjungen einfach keine Zettelchen mehr im Unterricht zuzustecken? Wenn man sich selber, auf dem Weg zum Erwachsenwerden, im Weg steht?
Die Tochter einer Bekannten feierte kürzlich ihren 18ten Geburtstag. Seit über einem Jahr hat sie eine Fernbeziehung zu einem Frankfurter Fachabiturientenanwärter, der noch bei seinen Eltern wohnt.
Dieser Typ hat kürzlich mit ihr Schluss gemacht, Grund: Er sähe sich nicht mehr in der Lage, eine Fernbeziehung weiterzuführen. Und sie würde ja an der Situation nichts ändern wollen.
Während die Eltern des Mädchens sich seelenruhig zwei Wochen im Urlaub entspannen, führt diese ihren Beitrag zur Rettung der Beziehung durch. Meldet sich bei der Schule ab, kündigt ihre Bankkonten, packt ihre Sachen zusammen und lässt sich von den Eltern des jungen Mannes abholen. Meldet sich dort wieder an einer Schule an und als ihre Eltern aus dem Urlaub zurückkommen, finden sie das Haus leer vor. Auf dem Tisch liegt ein Zettel: Die Eltern des Jungen wollen 300 Euro Kostgeld.
Ich hoffe, sie kommt bald zur Besinnung. Denn das, ganz sicher, das kann nur ein großer Fehler gewesen sein.




14 Responses to “jungensünden”
1 Zmivv 26 July 2007 @ 12:20 pm
Das war ein Fehler…
Oh, Mann, war ich auch so, als ich jung war?
Ach, ich war ja nie jung. Und verliebt. Und ein Mädchen…
2 Hagen 26 July 2007 @ 12:50 pm
Haben die Ärzte die Eltern nicht auf das Zusammenleben mit ihrer behinderten Tochter vorbereitet und sie davor gewarnt das Kind längere Zeit als sagen wir drei Minuten alleine zu lassen?
Anders gesagt: Dieser “Fehler” ist doch Ausdruck unglaublicher Dummheit und Weltfremdheit. Wie kann man denn (u.a.) einen solchen Schritt tun, ohne auch nur mit einer Person darüber zu reden? Das hat nichts mehr mit “junge Liebe” zu tun, sondern nur mit schockierenden Dummheit. Mein Mitleid gilt den Eltern des Mädchens, dessen Kontakt zur Realität vielleicht von ein paar Telenovellas zu viel gestört wurde…
3 deeli 26 July 2007 @ 1:01 pm
Oh das sind aber harte Worte, Hagen.
Das schlimme ist nur, ich kenne dieses Mädchen selbst. Sie ist sehr intelligent, hätte bei uns ihr Abitur ganz sicher mit Eins und.. gemacht und hätte alle Chancen offen gehabt. Als ich das gehört hab, war ich wie vor den Kopf geschlagen, denn so etwas hätte ich gerade diesem Mädchen nicht zugetraut.
Dafür stand sie schon zu viel im Leben und auf eigenen zwei Beinen.
Liebe macht blind.
4 Lela 26 July 2007 @ 2:52 pm
Liebe macht eben nicht nur blind, sondern zuweilen auch dumm. Kennen wir sicher alle aus der Zeit des postpubertären Erwachsenwerdens. Aber das, was dumm macht, ist dummerweise keine Liebe. Hoffentlich kommt das Mädchen bald zur Besinnung, und wenn sie einigermaßen intelligent ist, dann sieht sie, dass ein Kompromiss, den nur einer macht, keiner ist, und dass das, was nur einen zwingt, sich zu bewegen, keine Liebe sein kann.
5 Ruwen 26 July 2007 @ 5:11 pm
Auch mit der Gefahr gleich beim ersten Kommentar unten durch zu sein, hier nun mein Standpunkt: Könnte es sein, dass Hauptursache des verwerflichen Handelns die 300€ sind? Darüber ließe sich doch bestimmt reden. Ohne zu wissen, warum die Eltern des Jungen diese Summe verlangen, was vorher zwischen den beiden Youngstern lief, und wie die Beziehung zwischen den Eltern zu ihrer eigen Tochter war, fällt mir eine Bewertung nicht leicht.
Nur soviel: Sie war 18! Als ich 18 war, wurde ich fast schon dumm angeschaut, wenn ich noch bei meinen Eltern gewohnt habe. Selbst wenn es ein Fehler war abzuhauen (momentan spricht einiges dafür), mein Gott… der lässt sich doch wieder korrigieren. In welchem Alter dürfen wir, wenn überhaupt, Fehler machen? Mit 13… keine Frage. Als Schüler, Azubi, Student wenn´s um die Liebe geht (ich sehe nix was daran nicht Liebe sein soll!)? Na klar doch! Sie scheint nicht schwanger zu sein, HIV und Drogen spielen auch keine Rolle und sie geht wahrscheinlich brav zur Schule in der sie bisher nicht die Schlechteste war. Ich kenne Eltern die haben ganz andere Sorgen mit ihren halberwachsenen Kids.
Sorry wenn es so lang wurde und kontrovers war
6 Chris 26 July 2007 @ 5:18 pm
Herrschaften, ein solches Verhalten wie von unserem wohl beziehungstechnisch in völliger geistiger Umnachtung lebenden Mädchen oben ist schlicht und einfach als saublöd zu bezeichnen und durch nichts, aber auch gar nichts zu rechtfertigen.
Sollte diese Geschichte tatsächlich wahr sein (ich kann nicht glauben, dass echte Menschen aus Fleisch und Blut gibt, die so eine Aktion durchführen), dann sollte man das Mädchen nach Hause holen, ihr die 300 Euro abknöpfen und ihr anschließend Beziehungssperre geben, bis sie ihr eigenen Haushalt führt. Dann, und nur dann, kann sie solche Kamikaze-Aktionen durchführen.
Alldieweil, die Eltern des Jungen sind m.E. auch nicht ganz bei Trost: WIE KANN MAN NUR die Fernbeziehungsfreundin mit dem Auto abholen - ohne auch nur leise zu ahnen, dass das vielleicht nur eine einfache Fahrt wird? Wäre ich Vater, hätte die Freundin meines Sohnes bei mir angerufen und um so etwas gebeten, meine Antwort wäre klar gewesen: “So, jetzt gehst du erst mal kalt duschen, dann gehst du schlafen, und dann denkst du morgen bitte nochmal drüber nach, was du da eben gesagt hast.”
Ich glaube, schlicht und einfach, da haben viele Leute einfach nicht nachgedacht, aber nicht mal für zehn Pfennig. Das Mädchen nicht, die Eltern des Jungen nicht. Der Junge ist mit seinem Statement der einzig Vernünftige in dieser ganzen Klapse…
7 deeli 26 July 2007 @ 7:13 pm
der junge ist der einzig vernünftige? ich bitte dich!
das, was mir am meisten zu denken gibt:
was sind das für eltern, die klammheimlich ein kind aus einer familie “entführen”?
ich meine, wenn schon die kinder offensichtlich nicht nachdenken, ist es doch sache der eltern, dies zu unterbinden.
und solch eine aktion hinter dem rücken der eltern des mädchens, das ist verwerflich.
8 lela 26 July 2007 @ 8:17 pm
Naja, ich war dankbar, dass meine Eltern mich meine Fehler selber machen ließen. Um so verbundener bin ich ihnen heute, unter anderem weil sie keinerlei Tendenzen zeigten, mich an die Leine zu legen. Klar gibt es bei so einer Sache immer Grund für alle Seiten, sich gehörig aufzuregen. Aber ich gebe auch Ruwen Recht: immerhin geht sie weiter zur Schule, ist weder schwanger noch mit einem tödlichen Erreger infiziert. Es könnte wahrlich schlimmer sein. Und Distanz ist oft auch eine Chance, sich wieder anzunähern.
9 Hagen 26 July 2007 @ 10:48 pm
Klar, deeli, sind das harte Worte. Ich würde meine hypothetische Tochter in so einem Fall ja auch nicht verstoßen, oder so was. Aber dumm finde ich ihr Verhalten dennoch, wenn wir uns das noch mal anschauen:
1) Das Mädchen
Das Mädchen fasst einen Plan, den man durchaus erwägen kann, den man aber, a) ob seiner Tragweite vorher auch mit anderen Menschen besprechen sollte, beispielsweise mit den eigenen Eltern.
Man sollte b) auch mal erwägen, ob denn der beim Beziehungsende angeführte Grund durch den Freund vielleicht nicht nur ein freundlicher Vorwand war. Wäre das der Fall würde sie ihn mit ihrem Handeln massiv überrollen, während er nur nach irgendeiner Erklärung für das Beziehungsende gesucht hat.
Außerdem sollte man c) so eine Aktion auch durchrechnen und besser organisieren: Spontan und jung und wild, super, aber wenn man dann wg. Unterkunft die Eltern des Freundes anhauen muss, und wegen Bezahlung derselben die eigenen Eltern (sie selbst konnte die 300 € offenbar nicht bezahlen), dann kann man doch nicht blindlings so eine Aktion starten.
Und d) halte ich nicht viel von Menschen, die in so jungen Jahren so extrem viel zu tun bereit sind, um eine Beziehung aufrecht zu erhalten - das Mädchen verlässt Elternhaus, Schulumfeld und Freundeskreis um bei ihrem Freund einzuziehen, was mich als erklärten Feministen (hust) zum weinen bringt: Auseinanderdriftende Beziehungen mit Selbstaufopferung kitten, ja, das sind Rezepte aus der Steinzeit.
Mag sein, dass ich da zu abgebrüht klinge, bin ja auch älter, ein Mann und Pessimist. Aber ich finde, dass zumindest Rücksprache mit den Eltern und durchdenken (und -rechnen) der Angelegenheit einem Menschen, der dank seines Alters ja immerhin Trinken, Autofahren und Wählen (gerne in dieser Reihenfolge) darf, zu erwarten gewesen wäre. Ganz, ganz ehrlich: Als Vater wäre ich zutiefst enttäuscht, dass mein Kind mit so einer Aktion als Mensch, Frau und Tochter so einen Mist macht. Jede Teenagerschwangerschaft würde ich lächelnd aussitzen und meiner Tochter ohne ein böses Wort oder einen bösen Gedanken zur Seite stehen. Aber so was hier? Komplettausfall.
(Und um in meiner Gehässigkeit noch nachzutreten: Hypothetische oder tatsächliche 1,x-Abiabschlüsse sagen doch nichts darüber aus, wie intelligent oder lebenstüchtig jemand ist. Auswendiglernen oder Kurse geschickt auswählen, kann jeder. Aber solche kopflosen Aktionen sprechen Bände.)
[Ach, Lela: „Und Distanz ist oft auch eine Chance, sich wieder anzunähern.“ Wahr. Wobei… war Distanz nicht gerade der (vorgebliche) Grund für das auseinanderdriften des Kinderpaares, das überhaupt erst zu dem ganzen Schlamassel geführt hat? Außerdem: Weiß nicht, ob ich das als Eltern so locker sehen würde, wenn meine Tochter sich als Dummkopf outet und ich ihre Scheinselbstständigkeit auch noch finanzieren darf. „Schaut ich bin erwachsen und stehe auf eigenen Füßen! Kann ich übrigens Geld haben, weil ich hier Kosten verursache, ohne was zu deren Deckung beizutragen?“]
2) Die restliche Rasselbande
Finde, dass Chris gar nicht so falsch liegt: Den jungen Mann trifft hier wenig Schuld (außer er hat das Mädchen mit seinem Beziehungsende genau zu dieser Aktion hinreißen wollen, was ich kaum glaube; wenn doch: Beziehungsterrorist in spe, an dem noch viele Frauen keine Freude haben werden), die Eltern des Kindes tun mir auch leid. Aber was die Eltern des Jungen machen, verstehe ich auch wieder nicht. Kostgeld? What the fuck? Entweder man redet dem Mädchen Vernunft (a.k.a.: die Heimfahrt) ein oder man füttert sie halt für eine Zeit durch, zwingt dann die Kids aber so selbstständig zu werden, wie sie (oder das Mädchen) sich einbilden zu sein: Können ja gerne jobben und/oder sich eine eigene Wohnung nehmen, wenn sie das wollen. Finde, dass die Kostgeld-Lösung da der feigste Ausweg ist, nämlich der, wo man dem eigenen Sohn nicht ins Gewissen reden will, das Mädchen nicht zur Vernunft bringen kann/will und nun darauf hofft, dass dessen Eltern das lösen, entweder durch Geld oder durch Aktionen mit denen sie die Zahlung eben dieses Geldes verhindern wollen.
10 SoE 26 July 2007 @ 11:01 pm
Was macht die Gute denn, falls ihre Eltern nicht zahlen wollen? Verklagen? Betteln? Nachdenken? Oh wie ist das geil, “meine Eltern regeln das schon”.
11 Ruwen 27 July 2007 @ 11:15 am
@10 SoE: Ich denke, was eine Zwangsunterstützung durch die Eltern betrifft, stünden ihre Chancen nicht schlecht. Ob man das nun gut findet oder nicht.
@9 Hagen: Klar, sie hat aus der Sicht und Erfahrung eines 30 bis 80-jährigen alles missachtet, was an sozialer Interaktion den Konflikt verhindert hätte. Das wird sie spätestens in 20 Jahren auch so sehen. Aber jetzt ist sie nun mal 18. Und ihren wirklichen Entwicklungsstand kennen wir nicht. Wenn übrigens meine Freundin das damals für mich gemacht hätte, wäre ich von den Socken und im siebten Himmel. Ich hätte bei ihr allerdings nie diese Entscheidung provoziert. Hätte, hätte, hätte…
12 SoE 27 July 2007 @ 5:22 pm
@Ruwen: Solange bei ihr zu Hause der Zustand nicht unerträglich ist (aber ich gehe mal davon aus, dass ihre Eltern sie weder schlagen noch verhungern lassen), stehen ihre Chancen nicht ganz so gut. Solange sie nicht studiert und deswegen ggf. umziehen muß, können ihre Eltern verlangen, dass sie bei ihnen zur Schule geht.
“Die Eltern können gegenüber unverheirateten Kindern die Art
und Weise der Unterhaltsgewährung selbst bestimmen. Sie können
etwa entscheiden, dass der Unterhalt weitgehend im Elternhaus in
Natur gewährt wird (Unterkunft, Verpflegung, Kleidung usw.). ”
http://www.bmj.bund.de/files/-/739/Das%20Kindschaftsrecht%20Broschuere.pdf
13 Ruwen 27 July 2007 @ 7:29 pm
@ 12 SoE: Genau das dachte ich auch immer und ich hab sogar mit einem Einwand gerechnet
In Berlin hat mich die Realität eingeholt. Dort haben Kinder der näheren Verwandschaft und von Freunden ein Unterhaltsanspruch, obwohl sogar die Anfahrt zur Uni länger dauert, als von der elterlichen Wohnung. Die Eltern wohnen in Berlin und die Kinder in einer anderen Mietwohnung ebenfalls in Berlin. Die Beziehung ist trotzdem noch freundschaftlich da die Kinder ‘großzügig’ auf einen Teil des Anspruchs verzichten und nebenbei jobben.
14 SoE 27 July 2007 @ 11:09 pm
Wenn ich das recht verstehe, gehen die auch schon an die Uni. War auch mal bei Freunden im Gespräch bei mir, aber noch in der Schulzeit. Da siehts dann schon düsterer aus.
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