Don’t impose - die Höflichkeitskolumne am Montag - heute: 2. Juli 2007
Jubiläumsfazitskolumne
Begonnen hat alles aus einer Laune heraus mit dem Gedanken, dass es sicher viele Fälle im Alltag gibt, die durch eine Höflichkeitsbrille gesehen, interessant zu berichten wären. Dass dies allerdings so viele Phänomene sind, dass es doch relativ einfach war, ein Jahr lang jede Woche ein Phänomen zu zeigen, das erstaunt mich nun doch.
Und es sieht nicht so aus, als wäre bald ein Ende in Sicht!
Höflichkeit zieht sich durch alle Bereiche des Alltags, wenn wir uns erinnern, von reiner Kommunikation über soziales Verhalten, vom Warten in Kassenschlangen mit unerzogenen Kindern, vom Warten auf Freundinnen, die lieber Gilmore Girls gucken, von Busfahrer, Bahnfahrern, Taxifahrern. Von Freundlichkeit im Elektronikfachmarkt, unverschämten Kellnern, Bettlern und Kontrolleuren, bis hin zu Leuten, die mir im Kino den Film erklären wollen, mich verkuppeln wollen und eben jenen, die ein Anstandsstück liegen lassen. Höflichkeitsphänomene sind so allgegenwärtig, dass sie kaum noch auffallen.
Ist es nicht faszinierend, dass die Masse der Deutschen, wenn sie befragt werden, behaupten, dass Höflichkeit als Wert für sie sehr wichtig sei und dass die Phänomene, die ich beobachtete, da doch teilweise eine ganz andere Sprache sprechen?
Doch Gott sei Dank gibt es ja auch noch die Ausreißer auf der höflichen Seite. Busfahrer, die ein Ticket verschenken, Taxifahrer, die einem „Joot Naach!“ durch die Nacht hinterherbrüllen, Nachbarn, die sich für laute Waschmaschinen entschuldigen.
Eines allerdings hat sich in diesem Jahr verändert. Natürlich nicht das Verhalten der Deutschen in ihrer Gesamtheit, nein, das nun doch nicht.
Aber in meinem Freundeskreis hat sich mittlerweile ein Bewusstsein für Höflichkeit entwickelt. Mir werden Türen aufgehalten, mir wird die Jacke abgenommen und aufgehängt, ich werde freundlich und höflich gegrüßt und verabschiedet. Bei mir meldet man sich ab, wenn eine Verabredung ausfallen muss, und das nicht nur kurzfristig, sogar eine zweiminütige Verspätung wird per Kurzmitteilung mitgeteilt.
Auf den Punkt bringt es ein Freund, mit dem ich zusammen mit einem Bekannten einen Kaffee trinken gehe. Der Bekannte holt sein Mobiltelefon heraus und beginnt eine Kurzmitteilung zu verfassen. Mein Freund wendet sich zu ihm und sagt: „Das ist unhöflich! Ich würde das nicht machen!“ Der Bekannte antwortet darauf: „Wieso?“
„Na, nachher schreibt sie noch die nächste Kolumne über dich!“




2 Responses to “Don’t impose - die Höflichkeitskolumne am Montag - heute: 2. Juli 2007”
1 Andreas 2 July 2007 @ 1:37 pm
1 Jahr Höflichkeitskolumne - respekt.
für das kommende Jahr wünsche ich dir weitere spannende und interessante Phänomene die du beobachten darfst, und viel mehr Kommentare die dir zeigen dass die Kolumne gern gelesen wird
2 lela 2 July 2007 @ 10:48 pm
Das ist doch ein Super Fazit: Ein Jahr Höflichkeitskolumne, die Menschen werden aufmerksamer. Ich wünsche Dir noch viele schöne Geschichten und Anlässe, dazu aufmerksame Leser, immer wissend, dass sich nicht alles, was sich lohnt auch rentieren muss.
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