Don’t impose - die Höflichkeitskolumne am Montag - heute: 28. Mai 2007

28. Mai 2007 – Einmal unverschämten Eiskaffee, bitte!

Aus vielen verschiedenen Gründen gehen Menschen in Cafés. Einige treffen sich dort mit Freunden und Bekannten, um sie nicht zu sich nach Hause zu bitten. Einige sitzen einfach bei einem Kaffee im Woyton herum, um im Internet zu surfen oder die neuesten Zeitungen gratis zu lesen. Wieder andere rauschen nur schnell in eine Espressobar für einen Espresso an der Theke zwischendurch. Wie gesagt, es gibt beinahe so viele Gründe dafür, ein Café zu betreten, wie es verschiedene Menschen gibt.

Ich persönlich gehe gerne in Cafés um Menschen zu beobachten. Denn nirgendwo sonst sitzt man mitten in vielen verschiedenen Alltagsdramen. Am Tisch nebenan kann sich eine neue Liebe entwickeln, an einem anderen eine zerstört werden, hier kann man zwischen den Perspektiven wechseln, wie sonst nur in einem Premiere-Fußballspiel.

Als ich mit einer Freundin einen Kaffee trinken gehe in einem neu eröffneten Café, werden wir Zeugen einer wunderbaren Unterhaltung. Es sind nicht viele Gäste außer uns dort und dank einer nicht vorhanden Musikuntermalung gelingt es uns, dem kompletten Gespräch zu lauschen, dass die noch nicht eingespielten Mitarbeiter miteinander führen.

Die Frau ist ungefähr vierzig Jahre alt, oder älter. Schon im Gespräch mit uns konnte sie ihre lapidare Art schlecht verbergen. „Wollta noch nen Eiskaffee? Is jut!“ Er ist Mitte zwanzig, gepflegt und gestylt und hat stets einen charmanten Kommentar und ein neckisches Lächeln für die anwesenden Frauen übrig.

Und, wie alt biste jetzt?“, fragt sie ihn.
Ich bin jetzt 27.“
Mh.“
Kurze Denkpause, er räumt Gläser in den Schrank, sie wischt über die Kaffeemaschine.
„Und? Nichts anderes geschafft bis jetzt, als hier zu arbeiten?“
Seine Lippen kräuseln sich kurz, aber er steckt den Schlag ein, als wäre nichts gewesen.

Ich werde wohl nicht den Rest meines Lebens hier verbringen.“
Wieder eine kurze Pause. Er beschäftigt sich weiter mit den Gläsern, sie füllt Kaffee bohnen nach.
Sie: „Und, wo wohnste?“

In Kalk.“
Sie: „Da wo die Assis wohnen?“
Erneutes Lippenkräuseln.

Nee, da wo ich wohne, da geht es.“
Wohnste noch zu Hause?“
Seine Augen blicken durch den Raum, wie auf der Suche nach einer Antwort. Leicht genervt antwortet er:

Nein, mit meiner Freundin zusammen.“
Das scheint sie zu überraschen. Sie legt die leere Kaffeeverpackung aus der Hand und schaut ihn ernst an.

Ist das was Ernstes?“, fragt sie ihn.
Ja, das ist es“, antwortet er. „Wir haben sogar vor zu heiraten.“
Ein Lächeln umspielt seinen Mund, als er das sagt. Sie überlegt kurz, dann sagt sie:

Willst du dir das nicht noch mal überlegen?“

Was für eine Komödie. Leider kann man sich seine Arbeitskollegen nicht immer aussuchen. Ich schätze, dass das der junge Mann auch durchaus bedauert. Was man sich aber aussuchen kann, ist, wie lange man solch eine Person, die die Höflichkeit wohl nicht in die Wiege gelegt bekommen hat, anhören kann. Deshalb verlassen wir dann an dieser Stelle des Gesprächs das Café. Besser konnte es ausserdem gar nicht mehr werden…

28 May 2007 | | don't impose - die höflichkeitskolumne | Comments

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