Don’t impose - die Höflichkeitskolumne am Montag - heute: 30. April 2007
30. April – Bahnfahrerhöflichkeit
Dass die Angestellten des Öffentlichen Personennahverkehrs, verallgemeinernd gesagt, nicht zu den höflichsten und freundlichsten Wesen dieser Erde gehören, mag wohl niemand bezweifeln. Sicher, es gibt immer mal wieder eine erfrischende Ausnahme, einen netten Busfahrer, der die Tür jemandem nicht direkt vor der Nase schließt oder eine hilfsbereite Ticketverkäuferin in der Verkaufsstelle.
Meist überwiegen jedoch die schlechten Eindrücke, die man mit diesen Angestellten verbindet.
Ein besonders unfreundliches Wesen fuhr eine Kölner Straßenbahn, die ich in den letzten Tagen nutzte. Es war Feierabendverkehr, die Bahn war gerappelt voll Menschen. Überall, wo noch ein Millimeter Platz war, stand auch jemand, und wenn dort keine Person mehr hinpasste, dann sicher noch eine Reisetasche oder eine Einkaufs-Plastiktüte. Überall drängte man sich und quetschte sich aneinander.
Bei einer Haltestelle stiegen noch mehr Menschen hinein, mittlerweile fühlte man sich wie in einer Sardinendose. Doch es waren zu viele Menschen, die die Türausgänge verstellten, so dass die Türen nicht schließen konnten.
Mit der Kölnern oft eigenen lapidaren Rotzigkeit ertönte alsbald aus den Lautsprechern ein: „ Wenn se de Türen frei machen, gehen se auch widder zo. Dann könne mer auch wiggerfahre.“ Offensichtlich waren aber die Personen, welche die Türen belagerten, nicht des genuschelten Kölschs mächtig, anders ist wohl ihr Verharren in ihren Positionen nicht zu erklären. Nichts passierte. Die Türen blieben offen. Kurz darauf schallte es erneut aus den Lautsprechern: „Fott von de Türen, sonst stonn mer he noch bis nächste Woch!“ Scheinbar quetschten sich die Menschen dann noch enger zusammen, jedenfalls schloß die Tür und die Bahn setzte sich in Gang. Ein paar Stationen später bedauerte ich es bereits, dass der charmante Bahnfahrer verstummt war. Aber so ein freundlicher kölscher Bahnfahrer, der hält mit seiner Meinung nicht lange hinterm Berg. Wenn ihn etwas stört, dann raus damit! Dann erfreuen sich wenigstens die anderen Fahrgäste. Oder zumindest ich.
Denn noch ein paar Stationen später, kam offensichtlich jemand von den Ölsardinen-Menschen an die Notruftaste an der Seitenwand der Bahn. Es raschelte kurz in der Sprechanlage, dann erschallte es im nun schon gewohnt charmanten Stil:
„Nehmt eure Dreckspfoten weg vun dem Ding! Das is für den Notfall!“ Zwei Sekunden Pause. Dann:“ Net für euch Drecksblagen zum Spielen!“




3 Responses to “Don’t impose - die Höflichkeitskolumne am Montag - heute: 30. April 2007”
1 Chris 30 April 2007 @ 8:22 pm
„Wenn se de Türen frei machen, gehen se auch widder zo. Dann könne mer auch wiggerfahre.“
Also ganz ehrlich: vielleicht liegt es am Dialekt, vielleicht auch an meiner Sympathie gegenüber fast allem, was aus Köln kommt - aber ich finde das witzig. Das und alles andere, was der KVB-Söldner von sich gibt. Die Tramnutzer sind brüskiert ob der barschen Umgangsform des Chauffeurs, aber den Spaß hat der Betrachter.
Ich erinnere mich an eine Situation, als ein verliebtes Menschlein partout nicht vom Sicherheitsstreifen der U-Bahn zurücktreten wollte. Nachdem der MVV-Angestellte zuerst wie üblich gelangweilt, dann in betontem Hochdeutsch sein “bitte vom Sicherheitsstreifen zurücktreten” äußerte und daraufhin immer noch nichts geschah, entfuhr ihm ein donnerndes “Herrschaftszeitn, ‘etz treten’s endlich vom Sicherheitsstreifen zurück!” Es wurde still, der Betroffene war buchstäblich betroffen - aber im Rückblick, hach, was ein Spaß.
2 SoE 1 May 2007 @ 2:27 pm
In England sind die Busfahrer netter
Außer denen, die direkt an einem vorbeisausen, weil der Bus zu voll ist… Sind auch nie pünktlich, aber lassen einen auch mal schon vor der Haltestelle raus. Dafür bedankt sich aber auch jeder, manchmal sogar mit “ta, bus driver luv”.
Vielleicht sollten wir das hier einführen ^^
3 bosch 2 May 2007 @ 5:50 pm
Da fehlt eindeutig das Freundlichkeitspatent. Ich hätte noch ein paar Lizenzen abzugeben.
Leave a Reply