Don’t impose - die Höflichkeitskolumne am Montag - heute: 26. März 2007

26. März – Busfahrergeschenke

Welches Bild haben wir eigentlich von Angestellten des Öffentlichen Personen Nahverkehrs? Ist es nicht so, dass da vor allem das Bild des giftigen Schaffners aufkommt? Oder von bulligen Straßenbahnkontrolleuren mit gefährlichem Hund? Bei denen man eine Angst davor entwickelt, in aller Öffentlichkeit angeranzt zu werden, so dass man in größtmöglichster Schnelligkeit das Ticket hervorkramt. Oder sagt dieses  Schild „Während der Fahrt nicht mit dem Schaffner sprechen“ nicht schon alles?
Umso verblüffender ist es dann, wenn dieses Bild von einigen wenigen Menschen über den Haufen geworfen wird.
So passierte es mir in einem Linienbus. Als ich einsteige, lächelt mich der junge Fahrer an und grüsst mich mit einem „Hallo“. Bereits das verwunderte mich. Begrüßungen bin ich nicht gewohnt, nicht von Servicepersonal der ÖPNV.

Ein paar Stationen weiter steigt ein Ehepaar mittleren Alters ein. Zielstrebig gehen sie auf den Fahrkartenautomaten zu.  Drücken verschiedene Tasten und schauen ratlos auf den Bildschirm. Nach ein paar Minuten fragen sie einen Passanten, der in ihrer Nähe sitzt. „Kennen Sie sich damit vielleicht aus?“ 

Da dreht sich plötzlich der Fahrer um. „Kann ich ihnen vielleicht helfen?“
Die Frau antwortet ihm: „Gerne. Der Automat nimmt kein Geld an.“ Er antwortet: „Och, das hat er vorhin schon zwei mal gemacht. Da kann man dann nichts machen.“ Er zögert kurz, scheint zu überlegen. Vielleicht muss er sich auch kurz auf den Verkehr konzentrieren. „Müssen sie noch mit der Straßenbahn fahren?“
Der Mann antwortet ihm: „Nein, nur mit diesem Bus hier.“
„Gut, sonst müssten Sie in der Bahn noch ein Ticket kaufen. Hier können Sie jetzt mit mir umsonst fahren. Das Ticket schenkt ihnen dann der ÖPNV.“ Erstaunt schaut sich das Paar an. „Dankeschön!“
Sie suchen sich einen Platz. Die Frau ist immer noch erstaunt. „Das gibt’s doch nicht! Kein: Kaufen Sie ein Handyticket? Oder: Steigen Sie aus und fahren Sie mit dem nächsten Bus? Oder: Geben sie bitte dann trotzdem das Geld dem Fahrer?“
Der Mann legt ihr beruhigend seine Hand auf ihren Oberschenkel.
„Nein“, sagt er. „Glaub es doch. Manchmal bekommt man einfach etwas geschenkt.“

26 March 2007 | | don't impose - die höflichkeitskolumne | Comments

One Response to “Don’t impose - die Höflichkeitskolumne am Montag - heute: 26. März 2007”

  1. 1 lela 27 March 2007 @ 4:26 pm

    Um diese Erfahrung beneide ich Dich! Vielleicht kann auch ich ein wenig davon zehren, wenn ich das nächste Mal Bahn fahre. Oder Bus. Oder Zug.

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