Verhinderter Einbruch
Ich komme nach Hause, schließe die Haustür auf. Mit großen Augen schaut mich jemand an, der gerade aus der Tür direkt hinter der Haustür zu kommen scheint. Breitbeinig geht er an mir vorbei. Ich finde ihn seltsam, ein komischer, versiffter Typ, wie man ihn eher bettelnd vor einem Supermarkt erwartet, was auch seine enorme Alkoholfahne besser erklären würde, als bei uns im Hausflur. Instinktiv wusste ich, dass dieser Mann nichts mit Christoph, dem diese Wohnung gehört, zu tun hat. Ich gehe an ihm vorbei, ein paar Stufen weiter hoch. Warte dort, möchte hören, ob die Haustür ins Schloß fällt. Tut sie nicht. Stattdessen höre ich: “Komm her, ich hab die Tür noch auf!” Ich schaue auf Christophs Tür: Beschlag hochgebogen.
Schnell wieder die paar Stufen runter, bei der Nachbarin geklingelt und geklopft. “Schnell, ruf die Polizei! Bei Christoph ist versucht worden einzubrechen!” Ich spreche mit der Polizei. Drei Minuten später steht sie vor der Tür. Ich bringe alle Fragen hinter mich, liefere eine sehr detailreiche Personenbeschreibung. Die Fahndung läuft. Der Polizist schlägt mit der Faust gegen die Tür. Sie geht auf.
Auf einmal bin ich mir nicht mehr sicher, ob der Mann nicht aus der Wohnung herausgekommen ist. Die Polizisten betreten die Wohnung: es ist alles in Ordnung. Auf dem Wohnzimmertisch liegt gut sichtbar ein Hundert-Euro-Schein. Wäre der Mann bis im Wohnzimmer gewesen, wäre das Geld wohl weg gewesen.
Der Polizist sagt, dass ich wahrscheinlich gerade richtig gekommen wäre, um den Einbruch zu verhindern. Dann schicken sie mich in meine Wohnung und warten auf Christoph.
Eine halbe Stunde später klingelt es. Er streckt mir eine Flasche Wein entgegen und sagt “Danke!”. “Ich weiß, dass das nicht gutmacht, was du für mich getan hast, aber es ist ein kleines Dankeschön.”
Zusammen sitzen wir noch eine Viertelstunde auf der Couch, gestehen uns unser Zittern und unsere Aufregung ein. Als er die Wohnung verlässt, bin ich total durcheinander. Ein paar seiner Worte geben mir zu denken.
“Stell dir mal vor, der hätte dir in Panik die Brechstange übergezogen….”
Darüber will ich gar nicht nachdenken. Es reicht schon, dass langsam das Adrenalin aufhört zu wirken.




3 Responses to “Verhinderter Einbruch”
1 Hith 21 February 2007 @ 7:47 am
Das ist ja wie im Film! Aber ich denke es ist Dir nichts passiert, weil Du imstinktiv richtig gehandelt hast und nicht in Panik verfallen bist. Aber trotzdem, Glück gehabt.
2 lela 21 February 2007 @ 11:05 am
Und das noch obendrauf! Du Heldin!
Grüße!!
3 Wasserhexe 22 February 2007 @ 4:06 pm
Hey Süße! Weißt ja, dass mir sowas auch schon passiert ist! Ganz schön krasses Gefühl, vor allem dann, wenn eigentlich alles vorbei ist und einem bewusst wird, was da eben passiert ist. Da zittern schon ganz schön die Knie! Ich drück dich ganz fest!
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