Tag 8
Gestern kam es zum ersten Mal über meine Lippen. “Ich kann nicht mehr.” Früher als ich es erwartet habe, früher als ich es mir leisten kann. Schließlich liegen noch drei wirklich harte Tage vor mir.
Ich trage Blessuren davon. Davon abgesehen, dass die Beine und die Füße schmerzen wie Sau, zieren meinen Körper überall blaue Flecken. Der schönste ist mehr als hühnereigroß und ziert wunderbar changierend zwischen gelb, grün, blau und violett meinen rechten Unterarm.
Gott muss übrigens ein Kölner sein. Denn das Phänomen, welches wir hier zur Fussball-WM sahen, wiederholte sich gestern pünktlich zu Weiberfastnacht. Die Temperatur stieg, die Sonne lachte, es war wunderschönes Wetter für den Straßenkarneval. Nur musste ich ja leider arbeiten, was ich auch tatsächlich kurz bereute. Stellte ich doch um neun Uhr morgens fest, dass der Karnevalszug auch schon Donnerstags bei mir am Fenster lang geht, was wohl auch letztes Jahr so war, ich bloss verdrängt haben muss. An schlafen war also nicht mehr zu denken, während unten das Lärmen der Trommel nur von der Sirene des Notarztwagens übertönt wurde.
Es klingelte. Durch die Sprechanlage fragte ich, wer da sei. “Post” wurde geantwortet. Ich öffne die Tür, heraufstapft ein junger Mann mit Heiner Brand-Bart und Bierflasche in der Hand. “Hej”, sagt er. “Ich wollte zu Krille.” Ich, völlig verwirrt, frage “Krille?” “Jaaa, Krille la mieux, da hab ich doch geklingelt.” “Mmh sag ich, ich wohne hier, der wohnt hier nicht”. Entschuldigt sich, sagt, “Mh, dann wohnt der wohl doch zwei Häuser weiter” und geht die Treppenstufen hinab. Verduzt bleib ich oben stehen….
Ansonsten: Ausser Blessuren gabs noch Biedermeier-Pärchen, Pipi Langstrumpf und Spinnen.




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