Täuschungen oder reale Fiktion

Jeden Tag täuschen wir uns. In uns selbst, in anderen, in unserer Umgebung.
Ist vielleicht das, was wir für die Realität halten, nichts anderes als eine Täuschung, als pure Fiktion?
Wie kann es sonst sein, dass niemand die Welt sieht, wie ich sie sehe? Dass ich in einer Stadt lebe, in der ich der einzige fühlende Einwohner bin, eine Stadt, die nur für mich existiert. Bei Tageslicht gesehen existiert diese Stadt für eine Million anderer Bewohner, aber sie ist nie die gleiche. Nie identisch, nie die Stadt, die ich sehe.
Wenn ich mich nun in meiner Stadt täusche, in meiner Welt, worin täusche ich mich noch?
Da ich mich selber täusche in der Annahme meiner Persönlichkeit, täusche ich auch Andere. Vielleicht ohne das zu wollen, vielleicht bewusst. Schließlich täuscht man auch bewusst Menschen, um seine schlechten Seiten zu vertuschen. Doch in Konsequenz muss man davon ausgehen, dass man niemals den “ganzen” Menschen sieht, sondern nur das, was das Gegenüber bereit ist, zu zeigen.
Letzten Endes ist alles, das man als real bezeichnet, doch nichts anderes als Fiktion. Doch wenn die Realität schon fiktiv ist, wie real kann dann Fiktion sein. Oder wie fiktiv? Gibt es fiktive Fiktion? Wahrscheinlich nicht. Anscheinend gibt es auch keine reale Realität. Nur fiktive Realität.

6 February 2007 | | gedankenpuzzle | Comments

One Response to “Täuschungen oder reale Fiktion”

  1. 1 Hith 7 February 2007 @ 10:13 pm

    Interessante Ausführungen. Aber statt real und fiktiv sehe ich es eher als objektiv und subjektiv. Der Mensch hat sich Werkzeuge erschaffen um dieselbe objektive Sicht der Dinge zu erlangen, mittels Uhren, Kalender, Maßstäben oder Waagen.
    Oder man ist einfach weit genug weg von einer Sache, dann ist sie auch für alle gleich real, erst im Mikrokosmos verwischt sich Fiktion und Realität, nämlich dann wenn man Dinge als einzelner wahr nimmt, wenn man nur den Kopf schräg halten muss und schon schimmert es in einer anderen Farbe, und das macht es doch aus, das ist doch das Schöne, wenn die Exaktheit aufhört und der Interpretation weicht. Und am schönsten ist, wenn sich zwei Menschen finden, die zur selben Interpretation gelangen und gleich fühlen.

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