Don’t impose - die Höflichkeitskolumne am Montag - heute: 22. Januar 2007
Vom Krux mit der Höflichkeit in E-Mails
Mitte letzen Jahres beschwerte sich ein Münsteraner Juraprofessor in Spiegel online über die Art und Weise, wie seine Studenten E-Mails an ihn verfassen.
Er vermisst gewisse Regeln, denen die universitäre Kommunikation unterliegen sollte und jenen Anstand, der auch in einem höflichen Brief angebracht ist. Schließlich ist eine E-Mail im Prinzip nichts anderes als ein Brief. Diesen jedoch würde man meist nicht so verfassen, wie das mit E-Mails geschieht.
So berichtet er von E-Mails, die mit „Hallöchen, Herr XY“ beginnen. Auch ein „Hallo Herr XY“ oder ein „Hey Prof“ ist nicht angebracht, wo ein „Sehr geehrter Herr Professor XY“ stehen sollte.
Auch die Grußformel am Ende der E-Mail findet kuriose Auswahlmöglichkeiten. „With kisses“, „MfG“ oder ein krudes „Respect, N.“ ist kein gelungener Abschluss einer höflichen E-Mail.
Dass auch der Ton die Musik macht, ist nicht nur ein geflügeltes Wort, sondern weiß im Prinzip jeder, der E-Mails schreibt und empfängt. Das gilt natürlich nicht nur für universitäre Kommunikation, sondern für jegliche Form von Kommunikation via E-Mail, egal wo diese stattfindet.
Anders gesagt: So wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Wenn ich möchte, dass jemand etwas für mich tut, sollte ich ihm das Gefühl geben, das ich ihn schätze und ihn darum bitte. Andererseits kann man es natürlich auch auf die dreiste Tour versuchen. Der Professor zitiert eine E-Mail eines Studenten:
“Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Hoeren, in der vorbezeichneten Angelegenheit möchte ich kurz darauf hinweisen, dass die Lösungen zum Arbeitspapier Nr. 4 nicht online sind. Können Sie sich bitte darum kümmern, dass das geändert wird? Ich gehe von einer Erledigung bis zum 30. April aus und danke Ihnen im Voraus recht herzlich. MfG”.
Der Professor kam sich bei diesem barschen Tonfall sicher vor wie vom Feldwebel persönlich zusammengestaucht. Irgendwie wurden durch diesen Befehlstonfall die Machtverhältnisse umgedreht. Auf einmal verlangt ein Student vom Professor etwas und geht auch noch von einer fristgerechten Erledigung aus, wobei der Student selbst die Frist gesetzt hat. Der Professor freute sich bestimmt…
Doch es geht auch anders. Das bewies mir mein Professor diese Woche. Er erwähnte in seinem Seminar ein Buch, welches mir vielleicht für mein Referat helfen könnte.
Also verfasse ich unter Berücksichtigung aller Regeln für die schriftliche Kommunikation eine E-Mail an ihn.
„Sehr geehrter Herr Professor Dr. A.,
in ihrem Seminar erwähnten Sie eine Monographie, die vielleicht in Hinblick auf mein Referat in eben diesem Seminar hilfreich wäre. Es wäre nett, wenn Sie mir mitteilen könnten, wie dieses Buch genau heißt, damit ich diesen Text in das Referat einbauen kann.
Mit freundlichen Grüßen …“
Erfreulicherweise antwortete er auch sehr fix. Wahrscheinlich blieben auf Grund der Schnelligkeit seinerseits dann die Höflichkeitsregeln auf der Strecke.
Ohne Anrede antwortete er:
„Nein, brauchen Sie nicht.
F.A.“
Danke. Ein bisschen Freundlichkeit hätte sicher auch nicht geschadet.
Den Artikel des Professors lesen: http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,424426,00.html




One Response to “Don’t impose - die Höflichkeitskolumne am Montag - heute: 22. Januar 2007”
1 Andreas 22 January 2007 @ 10:28 pm
Leider - oder zum Glück ? sind nicht alle so. Meine Mathematiker-Profs sind da gänzlich verschieden. Exotisch aber die, die extra ne Hilfskraft für Emails haben …
… die meisten Antworten die ich bisher von Profs bekommen haben, waren übrigens selten ausführlicher als die deines Profs.
… vielleicht hat sich das mit der Höflichkeit im Emailverkehr noch nicht bei allen rumgesprochen …
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