Don’t impose - die Höflichkeitskolumne am Montag - heute: 8. Januar 2006

Elektronikfachmarkt-Freundlichkeit

Ein großer Elektronikfachmarkt wirbt seit einigen Wochen mit großen Rabattaktionen. Für mich Grund genug um mit männlicher Begleitung eine Filiale aufzusuchen. Wir wollten uns über DVD-Festplattenrecorder informieren, die anstatt von Kabel oder Satellit via DVB-T aufnehmen.

Doch dieser Besuch wurde zu einer einzigen Farce. Die Auszeichnungen der Geräte waren unzureichend ob dieser gewünschten Eigenschaft. So blieb uns nichts anderes übrig, als einen Verkäufer zu suchen und diesen dann auszufragen. Doch irgendwie hatten wir das Gefühl, als würden sie vor uns wegrennen.

Endlich stand einer in ein Kundengespräch vertieft ein paar Meter weiter. Das Gespräch endete, er rüstete sich zum erneuten Weglaufen. Um ihm zuvor zu kommen, rief mein Begleiter laut „Entschuldigung“ und ging auf ihn schnellen Schrittes zu. Dieser drehte sich wieder um, die Unlust spiegelte sich in seinem Gesicht. „Guten Tag“, sagte er in herablassendem Tonfall. „Hallo“, entgegnete mein Begleiter. „Guten Tag wünsche ich Ihnen“, die erneute Replik. Es schien, als wollte er uns ermahnen, dass man „Guten Tag“ sagen sollte, statt „Entschuldigung“ oder „Hallo“ - „Womit kann ich ihnen helfen?“ – „Wir suchen einen DVD-Festplattenrecorder, der von DVB-T aufnehmen kann, haben Sie….?“ Den Rest der Frage konnte er schon nicht mehr stellen, so schnell wurde ihm über den Mund gefahren mit einem barschen „Nein!“ Ungläubigkeit auf unserer Seite. Ich frage noch einmal nach: „Sie haben so etwas nicht?“
Er schaut mich von oben herab an. „Wenn ich das doch sage!“ Und dann, etwas zickiger: „Aber ich kann ja noch mal im Computer nachschauen, wenn Sie das unbedingt wollen.“  Sagt es, dreht sich um und verschwindet für  mehrere Minuten.

Nach ca. sieben Minuten fragen wir uns, ob er einfach die Gelegenheit genutzt hat, um zu verschwinden. Hat er nicht, denn nach ungefähr dreizehn Minuten taucht er wieder auf. Mit zusammengekniffenen Augen sagt er: „Gut, wir haben doch ein Gerät da, was das kann.“  Er führt uns zu den Regalen mit den Vorführgeräten und zeigt auf eins. „Das da.“ „Aber da steht nicht dran, dass es von DVB-T aufnehmen kann“, sage ich.  Nun wird er richtig ungemütlich. „Das ist auch nicht das Gerät, das ist ja viel zu billig. Das sieht nur genauso aus!“ Aha. Schlussendlich sagt er uns, dass das Gerät von Panasonic sei und 549 Euro koste. Es wäre auf Lager, aber halt einfach nicht aufgebaut, weil es genauso aussähe, wie das vor uns stehende. Aha.

Ich frage noch kurz, welcher Wert in der Beschreibung eines Gerätes darauf hinweist, dass er von DVB-T aufnehmen kann, da ich das noch nirgendwo entdeckt hatte, schloss ich daraus, das es wahrscheinlich irgendein obskurer englischer Begriff sei. Aber er belehrte mich dumme Person da schnell: „ Na DVB-T? Was sonst?“

 Ich hab die Nase voll. Schaue ihm ins Gesicht und sage: „Danke“. Wir drehen uns um und gehen. Aber er ist noch nicht fertig mit uns. Denn durch den halben Laden schallt uns hinterher: „Ich freue mich, dass ich Ihnen helfen konnte!“

8 January 2007 | | don't impose - die höflichkeitskolumne | Comments

5 Responses to “Don’t impose - die Höflichkeitskolumne am Montag - heute: 8. Januar 2006”

  1. 1 neous 8 January 2007 @ 1:20 pm

    Argh…
    Und sowas nennt sich dann kompetenter Fachberater. Uaaaah!

  2. 2 Chris 8 January 2007 @ 5:40 pm

    Sowas gibts nur in Deutschland. In Amerika wäre ein Mitarbeiter nach solchem Verhalten und einer folgenden Kundenbeschwerde maximal einen Tag später entlassen (der Kunde würde einen Einkaufsgutschein erhalten).
    Ärgerlich, aber leider kein Einzelfall.

  3. 3 die männliche Begleitung 8 January 2007 @ 9:42 pm

    eigentlich hatte ich schon bei dem ersten “Guten Tag” mit diesem arroganten Gesichtsausdruck den Hals voll… ;)

  4. 4 Hith 8 January 2007 @ 10:42 pm

    Es sind nur Regalbetreuer in Uniform. Je weniger jemand vom dem Thema versteht umso mehr ist man gezwungen ihm durch Uniformen Autorität zu verleihen. Siehe auch den Systemgastronomen, der ja von Nahrung vermutlich auch nicht viel versteht …

    Ich konsultiere vor jedem Besuch eines “Fachgeschäfts” die Internetseite der Hersteller der Produkte, für die ich mich gerade begeistere. Oft, aber nicht immer wird mir da geholfen. Im Fall von Panasonic ist die sehr zu empfehlen.

  5. 5 antidepressiv 9 January 2007 @ 7:36 pm

    Ähm… wenn ich jemals im Mediamarkt einen kompetenten Menschen antreffen sollte, dann bade ich in der Klärgrube. Gut, selbst wenn der Typ nicht kompetent ist, so kann er dennoch höflich sein. Andererseits kann ich das Service-Gejammer von potenziellen Kunden auch nicht mehr hören. “Nur hier in Deutschland… Woanders wäre… blablabla”. Es gibt genauso unhöfliche und inkompetente Kunden. Es sind alle nur Menschen und jeder von denen hat eine mehr oder weniger gute Erziehung genossen. Pauschale Verurteilungen sind fehl am Platz.

    Ich selbst such mir auch mit Hilfe von Google die nötigen Informationen und Preise zusammen falls eine größere Anschaffung ansteht. Falls ich dann in den überdimensionalen Prospekten der Elektronikriesen einen guten Preis dafür entdecke, dann hole ich das Gerät dort. Ansonsten setz ich keinen Fuß in den Laden.

    Hab mal schnell für Dich nach den gewünschten Geräten geguckt und die 3 gefunden:
    - Panasonic DMR-EH54D
    - Homecast T 8000 PVR
    - Technisat DigiCorder T 1

    Vielleicht hilft’s ja ;-)

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