Unerwünschte Störung
Manchmal reichen sogar deutlichste Worte und zeitlicher Abstand nicht aus. So wurde ich heute gestört, gerade dann, als ich die freigeschaufelte Zeit dieser Woche genoß. Das Zeitfenster, auf das ich mich so gefreut hatte.
Von einer Frau, einer Bekannten, die ich früher einmal Freundin nannte. Irgendwann wurde aus Gesprächen unter Mädchen ein Monolog; Sie und ihr Seelenmülleimer. Ich durfte mir die Geschichte ihrer Beziehung anhören, mit allen Problemen, Streiterein und Tobsuchtsanfällen.
Sie sind jetzt, mit kurzen Unterbrechungen von maximal einem halben Jahr, elf Jahre zusammen. Sie 27, er 33. Sie Deutsche, er Türke. Geschichten, die an Brutalität, Eifersucht, Neid und Mißgunst fast nicht zu überbieten sind. Doch trotzdem, trotz allen Trennungen, zweimal haben sie die zusammenbewohnte Wohnung wieder aufgegeben, sind auseinander gezogen und wieder zusammen, trotz allen Unannehmlichkeiten, trotz Arbeitslosigkeit und Schulden, sind sie immer noch zusammen.
Aber nicht, weil sie sich ja so doll lieben, nein, die Gründe dafür sind variationsreich. Weil der Sex gut ist, weil sonst 11 Jahre umsonst gewesen wären, weil er ja jetzt so alt ist, dass er keine andere Frau mehr findet und etliche andere Gründe mehr. Alle inakzeptabel, aus meiner Sichtweise. Das sagte ich ihr, irgendwann. Sie solle ihn verlassen, wenn sie sich nicht vorstellen könnte, mit diesem Mann Kinder zu haben.
Aber alles Darüberreden half nicht, irgendwann wurde es mir zuviel. Ich brach den Kontakt ab, aber sie gibt nicht auf. Das Telefon klingelt, sie ist dran und fragt wie aus heiterem Himmel “Wie geht’s dir?”
Was soll ich dazu sagen? Ich hab von dir seit März nichts mehr gehört. Und irgendwie war das auch gut so. Ich will solche Sachen nicht hören, wie das heute. Dass er eine Hochzeit will, Anfang des Jahres und du wohl zustimmen wirst. Obwohl dir das eigentlich zu früh ist. Aber du denkst, dass du ihm mit diesen “Ausflüchten” nicht mehr kommen kannst. Weisst du was? Das ist mir egal. Verbau dir dein Leben, mir ist es gleich. Aber heul dich nicht bei mir aus.




One Response to “Unerwünschte Störung”
1 antidepp 23 November 2006 @ 9:12 am
Da muss ich mal mit meinem neuerworbenem Halbwissen über kognitive Phänomene rumposaunen: Solche Frauen leiden an kognitiver Dissonanz und sind Opfer von Gewöhnungs- und Anpassungsvorgängen. Und um ganz cool zu wirken erklär ich das nicht mal
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